Aristokratische Revoluzzerin
Lauscht man allein den einzelnen Da- capo-Arien der einzigen Oper dieser Komponistin im Nebenberuf, staunt man über die handwerkliche Kunstfertigkeit, das kundige Abrufen der Affekttypen, die gelehrte Erfüllung der Form: Wilhelmine von Preußen (oder auch: Wilhelmine von Bayreuth) erweist sich anno 1740 auf der Höhe Händels. Zwischen den Zeilen aber und dennoch unmissverständlich zeigt sich die Tochter des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I.
und ältere Schwester Friedrichs des Großen als eine Revoluzzerin im aristokratischen Korsett: Wilhelmine wird zur mutig visionären Vertreterin eines aufgeklärten Absolutismus, für den sie zwar – sie ist Jahrgang 1709 – nicht zu jung geboren wurde, für dessen historische Verwirklichung die lebenslang Kränkliche indes deutlich zu früh, bereits 1758, starb.
Das Unerhörte des Werks beginnt mit dem Bruch, den bereits der Librettist Giovanni Andrea Galletti wagte: keine Huldigung der Herrschenden im Nachgang Metastasios, kein affirmatives lieto fine nach tragischer Handlung, sondern eine gnadenlose Abrechnung mit der Brutalität, Anmaßung und Willkür des Titelhelden. Dieser Argenore denkt, dass ein König, der nachgibt, kein König mehr ist. Er kann ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Medien, Seite 32
von Peter Krause
Füchse sind kaum zu domestizieren. Soll der Versuch auch nur ansatzweise gelingen, bedarf das Tier erheblicher Freiheiten. Der Förster in Janáčeks Oper zeigt sich bereit, der jungen Füchsin, die er gefangen hat, allerhand Lizenzen einzuräumen. Keine Frage, den Waidmann fasziniert, wie Füchslein Schlaukopf unter lauter domestizierten Wesen – gleich ob Mensch oder...
Man staunt: Paul Abraham hat hier 1934 fast pures Frauentheater geschrieben. Nahezu alles, was die Handlung geschäftlich oder erotisch bewegt, wird in diesem sarkastischen Märchen von zarter und dennoch meist resoluter Hand gesteuert. Vielleicht haben der Komponist und seine Librettisten sich dabei im Umfeld beginnender antijüdischer Repressalien, von denen sie...
Ein Bild und seine Geschichte – mit diesem Untertitel hat der Verlag Schirmer/Mosel eine Reihe von schmalen Bändchen versehen, in dem ikonische Momente der Zeitgeschichte, Kunstwerke mit außerordentlichem Subund/oder Kontext vorgestellt werden. Dazu gehören bislang etwa die von Barbara Klemm festgehaltene Öffnung des Brandenburger Tors in Berlin am 22. Dezember...
