Alles oder nichts
Wie fang’ ich nach der Regel an?» – so wohl mochte sich Fulvio Adamo Macciardi mit den Worten des Walther von Stolzing gefragt haben, als er seine erste Spielzeit als Intendant des Teatro di San Carlo plante. Schließlich war der Berufung des Kulturmanagers an das Traditionshaus in Neapel eine auch für italienische Verhältnisse ungewöhnlich chaotische Politposse vorausgegangen.
Sein Vorgänger Stéphane Lissner wurde als Folge eines durch die Administration von Giorgia Meloni eilig erlassenen Dekrets vor Ende seiner Amtszeit aus der Verantwortung gedrängt: Die neue Regelung setzt der Leitung öffentlicher Kulturinstitutionen mit Vollendung des 70. Lebensjahrs ein Ende. Carlo Fuortes, der Regierung nicht mehr genehmer Chef des öffentlich-rechtlichen Rundfunks RAI, wurde auf den Posten weggelobt. Lissner klagte gegen seine Entlassung, bekam Recht und wurde wieder eingesetzt. Fuortes ging stattdessen an den Maggio Musicale in Florenz. Nach dem juristisch wasserdicht termingerechten Abschied Lissners konnte Macciardi im Dezember seine erste Serata inaugurale herausbringen – jene Eröffnungspremiere der Saison, die nur vom entsprechenden gesellschaftlichen Großereignis der Mailänder Scala in ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Peter Krause
Die Welt, zumindest die in Wien, war aus den Fugen, nach dem weithin hörbaren Börsenkrach 1873, der ein ganzes «Reich», das k. und k. habsburgische, samt seiner Erblande und der vielvölkerstaatlichen Nachbarschaft in eine tiefe Sinnkrise stürzte, nicht nur in ökonomischer Hinsicht. Diagnostiziert wurde eine heftige, entmutigende Depression, ein veritables...
Wie ein Todeswunsch klingt? Beispielsweise so wie in der tiefgreifenden Schmerzensszene «Pallid’ombre, che scorgete» aus dem dritten Akt von Mozarts Seria «Mitridate, re di Ponto». Doch nicht etwa in Moll-Tonart hat der Komponist dieses Recitativo accompagnato und die anschließende Cavatine der gekrönten, aber unglücklichen Königin gehüllt, wie zuvor noch in...
Satte 81 Jahre alt ist Peter Konwitschny, und noch immer bereitet es ihm Bauchschmerzen, dass ein Großteil der Opern im Repertoire auf frauenfeindliche Texte komponiert wurde, für die man «sich schämen sollte», wie es der Regisseur im Instagram-Interview der Bonner Oper zu Protokoll gibt. Weil er aber als Sohn eines großen Dirigenten die Musik leidenschaftlich...
