Manege frei
Die Produzenten des Gruberova-Labels Nightingale hatten den richtigen ökonomischen Riecher, indem sie diesen «Barbier» erst mal sieben Jahre im Archiv bunkerten: In der Zwischenzeit hat sich der Marktwert des Konzertmitschnitts schätzungsweise verdoppelt. Denn wäre die Aufnahme bereits Ende der neunziger Jahre veröffentlicht worden, wäre sie als reiner Primadonnen-Faartikel über den Ladentisch gegangen – inzwischen aber stellt der Almaviva von Juan Diego Flórez ein ebenso gewichtiges Verkaufsargument dar.
Tatsächlich ist der Auftritt des damals erst 24-Jährigen in der Münchner Philharmonie schon fast ein historisches Dokument: In der Zwischenzeit hat Flórez’ Tenor, wie gerade seine Konzerttournee gezeigt hat, erheblich an metallischer Kontur und Standfestigkeit in der Mittellage gewonnen – in der im November 1997 entstandenen Aufnahme ist dagegen noch mehr von dem Druck hörbar, den Flórez damals für die tiefer gelegenen Passagen der Partie aufwenden musste, zugleich ist die Tongebung aber auch noch weicher, jugendlicher, wenn man so will. Zusammen mit einer jungen Sängerin als Rosina hätte das durchaus ein stimmiges Konzept ergeben können. Doch Edita Gruberova nimmt man zwar ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Lucrezia hat keine Chance: Blutschande mit Vater und Brüdern, der Gifttod, den ihre Hand so gern und oft gereicht haben soll – sie ist gerichtet von zahllosen Geschichtsschreibern. Und wenn auch aus Historikersicht wohl an all dem nichts dran ist, so lebt das Ungeheuer Lucrezia Borgia doch fort in unseren Köpfen, kolportiert auch von Victor Hugos Schauspiel und...
Riccardo Zandonai stammte aus dem gebirgigen Trentino, was vielleicht seine Vorliebe für das frostige Sujet der «Cavalieri di Ekebú» erklären hilft. Selma Lagerlöfs schwedischer Nationalroman «Gösta Berling» erhielt seine Vertonung im Geiste des Verismo, jedoch in den überwältigenden Sphärenklängen des italienischen Expressionisten, der bereits mit dem Melodram...
Dass dieser Herr Brouˇcek eigentlich ein unangenehmer Zeitgenosse aus der Abteilung Vermieter, Spießbürger oder Opportunist sein soll, merkt man in Matthias Oldags Inszenierung nicht so sehr. Man hört es aber auch in Janaˇceks Musik nicht wirklich heraus. Herr Brouˇcek trinkt vor allem gern mal einen über den Durst, und dann sieht er nicht nur eine, sondern zwei...
