Mal ehrlich: Aus dem Leben eines Taugenichts

Opernsänger sollen ja so geldgeil sein. Mi-mi-mi-mi-mi-mehr-Gaaaage! Ich finde das unfair. Wir glauben nämlich, die Dirigenten kriegen zu viel Kohle. Wenn man mal die Menge Klang bedenkt, die sie in den Aufführungen faktisch beitragen. Ein Stöhnen hier, ein Grunzen da – sonst ist von ihnen doch praktisch nichts zu hören.

Aber darüber will ich mich jetzt gar nicht aufregen, das heb ich mir noch auf. Dass wir nach unserer Gage jodeln, hat meistens gute Gründe. Es gibt nämlich Opernhäuser, die ihre Künstler nicht termingerecht auszahlen – oder überhaupt nicht.

Nur die Sänger, wohlgemerkt. Dirigenten werden selbst dann entlohnt, wenn die Welt gerade untergeht, davon bin ich überzeugt. Es ist noch nicht lange her, da ließ die Römische Oper ein paar mies bezahlte Sänger auf dem Trockenen, hatte für den Dirigenten aber sehr wohl was flüssig. Der, wohlgemerkt, in der USA ein Millionengehalt bezieht.

Solche Zaubertricks hat auch der Florentiner Maggio Musicale auf Lager. Da wurde gerade für viel Geld ein neues Theater gebaut. Geknapst wird an den Sängergagen. Auf Facebook gibt’s sogar schon eine Selbsthilfegruppe, in der sich Geprellte ausweinen. Leute, die für Produktionen aus dem Jahr 2013 ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Christopher Gillett

Weitere Beiträge
Berlioz und Goethe

Steht da Willy Loman auf der Straßenbrücke, dicht an der Bruchkante? Der traurige Held aus Arthur Millers Nachkriegsdrama «Death of a Salesman»? Die Garderobe passt: weißes Hemd, brauner Anzug, Hut im Stil der 50er-Jahre (Kostüme: Pola Kardum). Stumm schaut er von der notdürftig gesicherten Bauruine auf die Menge herab, die in die sandige Brache drängt: eine nature...

Friedhofsruhe

Parma versteht sich als Verdi-Stadt, wenn nicht gar als Verdi-Stadt par excellence. Dabei hat der Komponist nie dort gelebt. Keine einzige seiner Opern kam dort zur Uraufführung. Gewiss: Verdi wurde in einem Dorf geboren, das zur Provinz Parma gehört. Aber über ein halbes Jahrhundert lang residierte er auf dem Landgut Sant’Agata in der Provinz Piacenza, ökonomisch...

Wiederentdeckte Pastorale

Alessandro Stradellas «La Doriclea» hat eine recht bewegte Geschichte hinter sich. Der Dreiakter wurde erst 1938 von dem Rieter Organisten Mario Tiberti entdeckt – und galt nach dem Zweiten Weltkrieg schon wieder als verschollen. Trotzdem gab es 2004 im Rahmen eines Festivals bei Siena ein konzertantes Revival auf Grundlage einer Transkription, die Tiberti einst...