Mal ehrlich... Aus dem Leben eines Taugenichts
Es ist noch gar nicht lange her, da blamierte sich Stéphane Lissner, als er in einem TV-Quiz Arien identifizieren sollte und vier von fünf nicht erkannte. Das YouTube-Video wurde flugs in der gesamten Szene herumgereicht, und so mancher Opernfreund zeigte sich, gelinde gesagt, überrascht. Wie bitte? Der einstige Chef der Scala, jetzt Intendant der Pariser Opéra national, erkennt den «Tosca»-Hit «Vissi d’arte» nicht?!? Mich selbst überrascht eher diese Erwartungshaltung. Ich habe die gar nicht mehr.
Es ist schließlich kein Geheimnis, dass wir in einer Ära der Manager-Intendanten leben, angeheuert für den Kampf gegen die roten Zahlen.
Aber mal ehrlich, ein solides Grundwissen wäre schon ganz schön. Und die Idee mit dem Quiz finde ich nicht schlecht. Vielleicht sollte man das mit allen Intendanten machen – könnte richtig unterhaltsam werden. Sagen wir, in Verbindung mit einer Koch-Show, das zieht immer. Eine Variation des beliebten «Pasta & Opera»-Modells. Ich seh’s direkt vor mir: Alexander Pereira und Pierre Audi im Wettlauf gegen die Zeit. Meine Herren, jetzt geht’s ums Ganze! Aus welcher Mascagni-Oper stammt diese Arie? Und wer modelliert die besten Tortelloni?
Schlamm-Wrestling ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Christopher Gillett
Auf diese Nasen können Sie bauen! Nicolai Gedda und José van Dam, die elegantesten Gesangs-Universalisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, ergänzten die grande tradition ihres Fachs um ein unverkennbares Merkmal: ihr nasales Timbre. Das war nicht Beschränkung. Sondern Ausdruck einer spezifischen Idiomatik, mit der sie – paradox genug – die hintersten,...
Natürlich ist es reiner Zufall, dass zeitgleich zur Braunschweiger «Peer Gynt»-Premiere in München NS-Kunst aus dem Depot geholt und mit Zeitgenossen konfrontiert wurde. Wird da aus dem Keller heraufgezerrt, was im Rahmen einer (verspäteten) Entnazifizierungsdebatte dorthin verbannt wurde? Auch in Cottbus war Werner Egks Ibsen-Destillat aus dem Jahr 1938 ja...
Muss das sein? Das ist der erste Gedanke, als sich der prächtige Vorhang des Prager Nationaltheaters hebt. Der Blick fällt auf eine riesige Projektion mit dem Konterfei Leos Janáceks, vor das, mit Fräcken angetan, die Sänger treten, um sich einer nach dem anderen vom Gefängniswärter in das Lager bzw. die Oper einweisen zu lassen. Doch wozu dieses szenische...
