Die Wissenschaft hat festgestellt, ...
Vor vier Jahren widmete sich eine Sektion des 32. Deutschen Romanistentages einem komplexen Thema: «Medienkombination Oper: Romanistik im Dialog mit Medien-, Musik- und Theaterwissenschaftlern». Die acht damals gehaltenen Vorträge liegen nun als Buch vor. Leider wird der dialogwillige Leser schon in der Einführung der beiden Herausgeberinnen Maria Imhof und Anke Grutschus mit einem akademischen Jargon gequält, der Selbstverständlichkeiten pseudowissenschaftlich verbrämt. Opernforschung wird in der Musik- wie in der Theaterwissenschaft längst interdisziplinär betrieben.
In diesem Band findet der avisierte «Dialog» allerdings kaum statt: Von zwei Ausnahmen abgesehen, bleiben die Romanisten unter sich. Und Fragen der Opernpraxis spielen allenfalls am Rande eine Rolle. Nur zwei Beiträge, kaum zufällig die informativsten und innovativsten der Sammlung, untersuchen «Aspekte der Leiblichkeit des Körpers in der Oper», jene «Produktion von Präsenz», auf die Imhof/Grutschus besonders abheben.
Beide widmen sich der rätselhaften, für uns nicht mehr rekonstruierbaren Kunststimme der Kastraten. Christian Grünnagel untersucht, am Beispiel zweier zeitgenössischer Traktate, die Auseinandersetzung ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Uwe Schweikert
Ein maroder Theaterinnenraum aus dem bürgerlichen 19. Jahrhundert. 935 Nutzungseinheiten soll er nach dem Umbau hergeben, gigantische Einnahmen durch Verpachtung und Vermietung bringen. Das rechnet die Immobilienmaklerin dem Regisseur auf der Bühne vor und erklärt, bevor die Bautrupps mit der Abrissbirne anrücken: «Hier wird nicht mehr probiert, hier wird gemacht.»
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Vielleicht lässt sich das Problem mit Nietzsche verstehen. Damit ein Ereignis Größe habe, müsse zweierlei zusammenkommen, schrieb der Philosoph in seinem viel zitierten Aufsatz «Richard Wagner in Bayreuth»: «der große Sinn derer, die es vollbringen, und der große Sinn derer, die es erleben». Damit die Größe des Ereignisses auch erkennbar bleibt, braucht es freilich...
Lior Navok assoziiert mit «Fluss» nicht Lethe, sondern Ähnliches wie Henze in «Wir erreichen den Fluss» (1975) – eine symbolhafte Grenze von Lebenssphären. Sehr viel konkreter bezeichnet der israelische Komponist (Jahrgang 1971) den Fluss überdies als das trennende und verbindende Element zweier verfeindeter Völker (mit dem von beiden Seiten begehrten Wasser), und...
