Die Wissenschaft hat festgestellt, ...
Vor vier Jahren widmete sich eine Sektion des 32. Deutschen Romanistentages einem komplexen Thema: «Medienkombination Oper: Romanistik im Dialog mit Medien-, Musik- und Theaterwissenschaftlern». Die acht damals gehaltenen Vorträge liegen nun als Buch vor. Leider wird der dialogwillige Leser schon in der Einführung der beiden Herausgeberinnen Maria Imhof und Anke Grutschus mit einem akademischen Jargon gequält, der Selbstverständlichkeiten pseudowissenschaftlich verbrämt. Opernforschung wird in der Musik- wie in der Theaterwissenschaft längst interdisziplinär betrieben.
In diesem Band findet der avisierte «Dialog» allerdings kaum statt: Von zwei Ausnahmen abgesehen, bleiben die Romanisten unter sich. Und Fragen der Opernpraxis spielen allenfalls am Rande eine Rolle. Nur zwei Beiträge, kaum zufällig die informativsten und innovativsten der Sammlung, untersuchen «Aspekte der Leiblichkeit des Körpers in der Oper», jene «Produktion von Präsenz», auf die Imhof/Grutschus besonders abheben.
Beide widmen sich der rätselhaften, für uns nicht mehr rekonstruierbaren Kunststimme der Kastraten. Christian Grünnagel untersucht, am Beispiel zweier zeitgenössischer Traktate, die Auseinandersetzung ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Uwe Schweikert
Ein seltsames Schauspiel bietet sich dem Amazonas-Schiffer vor Manaus: Durchaus im gleichen, weiten Bett, aber mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten fließen der braune, träge, warme Amazonas und der behändere, dunkelkühle Rio Negro nebeneinander her, bis sie sich nach etwa dreißig Kilometern dann doch zusammentun.
Ob Ermanno Wolf-Ferrari je in der brasilianischen...
Einem patriotischen Polen kämen keine Bedenken, Stanislaw Moniuszko an den Größten seiner Zeit zu messen und ihn als polnischen Verdi zu bezeichnen. Dabei hat den nur sechs Jahre jüngeren Moniuszko eine ähnliche politische Situation geprägt wie den italienischen Kollegen. Das Kongress-Polen von 1815 war ein schwacher und abhängiger Staat, Erhebungen 1830 und 1846...
Ist’s nun eine Hommage an das realistische Musiktheater? Oder doch eher Bühnensymbolismus? Oder wird hier Büchners und Bergs harter Sozialrealismus mehr oder weniger mutwillig gegen den Strich gebürstet? Um es gleich zu sagen: Der «Wozzeck» an der Opéra de Dijon ist ein großer, ein großartiger Abend geworden. Weil die Regisseurin Sandrine Anglade, bekannt für ihre...
