Maigesänge
Es schwinden jedes Kummers Falten, / solang des Liedes Zauber walten»: Auch Friedrich Schiller muss in Stammbuchstimmung gewesen sein, als ihm dieser Reim einfiel. Ob sich sein jüngerer Zeitgenosse Ludwig van Beethoven davon bezaubern ließ, wissen wir nicht.
Wohl aber, dass sich Beethovens Lied-Œuvre von nicht ganz einhundert Kunstliedern und ebenso vielen Volksliedbearbeitungen gegenüber dem symphonischen Schaffen des «Titans» endlich doch emanzipiert zu haben scheint – wenngleich man ihm bis heute eine ähnliche Wirkungsmächtigkeit wie bei Schubert vielfach nicht attestiert, sondern das Beethoven’sche Lied als Ornament im Gesamtwerk ansieht.
Geschuldet waren die vermehrten Einspielungen dieser Stücke in den letzten Jahren auch der zweihundertfünfzigsten Wiederkehr seines Geburtstags. So legte, pars pro toto, Ian Bostridge zusammen mit Antonio Pappano sowie Vilde Frang (Violine) und Nicolas Altstaedt (Violoncello) seinen individuellen Zugriff auf Beethoven-Lieder und Folksongs vor; Matthias Goerne und Pianist Jan Lisiecki näherten sich dem Œuvre mit eher balsamischem Ton; André Schuen sorgte mit dem Boulanger Trio für überaus reizvolle Auslegungen ebenfalls von Liedern und ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 28
von Gerhard Persché
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Jossi Wieler lächelte, milde, fast so, als habe er sogar ein wenig Verständnis für diese Wutbürger vorwiegend in den oberen Rängen, die sich bei der Applausordnung nach der Premiere ereiferten, um ihr geharnischtes Unverständnis über das gerade Gesehene herauszubrüllen. Grund genug für diese clemenza hatte Wieler jedenfalls, in dessen Regieboot diesmal neben seinem...
