Maigesänge
Es schwinden jedes Kummers Falten, / solang des Liedes Zauber walten»: Auch Friedrich Schiller muss in Stammbuchstimmung gewesen sein, als ihm dieser Reim einfiel. Ob sich sein jüngerer Zeitgenosse Ludwig van Beethoven davon bezaubern ließ, wissen wir nicht.
Wohl aber, dass sich Beethovens Lied-Œuvre von nicht ganz einhundert Kunstliedern und ebenso vielen Volksliedbearbeitungen gegenüber dem symphonischen Schaffen des «Titans» endlich doch emanzipiert zu haben scheint – wenngleich man ihm bis heute eine ähnliche Wirkungsmächtigkeit wie bei Schubert vielfach nicht attestiert, sondern das Beethoven’sche Lied als Ornament im Gesamtwerk ansieht.
Geschuldet waren die vermehrten Einspielungen dieser Stücke in den letzten Jahren auch der zweihundertfünfzigsten Wiederkehr seines Geburtstags. So legte, pars pro toto, Ian Bostridge zusammen mit Antonio Pappano sowie Vilde Frang (Violine) und Nicolas Altstaedt (Violoncello) seinen individuellen Zugriff auf Beethoven-Lieder und Folksongs vor; Matthias Goerne und Pianist Jan Lisiecki näherten sich dem Œuvre mit eher balsamischem Ton; André Schuen sorgte mit dem Boulanger Trio für überaus reizvolle Auslegungen ebenfalls von Liedern und ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 28
von Gerhard Persché
Ein Bild, zu schön, um wahr zu sein: Auf einer Schaukel schwebt Rusalka übers Wasser. Die Schuppen ihres Nixenkleides funkeln von türkis bis smaragdfarben in allen Grüntönen, die lange Schärpe fließt glitzernd an ihrem Körper herab. Doch das Idyll hat einen Riss: Rusalka will heraus aus ihrer Nixenhaut, ihr nasskaltes Ich abstreifen und menschliche Gestalt...
Alles schwarz, so schwarz wie meine Kleider. Alles schwarz, ich seh‘ nichts andres, leider.» So sang die bekanntlich aus ehemaligen Thomanern bestehende Band «Die Prinzen» auf ihrem schönen Album «Schweine» aus dem Jahr 1995. In dem Song geht es, anders als die Worte es intendieren, überhaupt nicht um irgendeine «Schwarzmalerei» oder um «Krise». Doch wollen wir ja...
Mozarts Türkenoper «Die Entführung aus dem Serail» zählt zu den Sorgenkindern des Kernrepertoires. Das Problem der Dialoge ist dabei noch älter als das heikle Thema der heute verpönten Orientklischees. Krummsäbel und Turbane bleiben seit langem im Schrank, und die meisten Aktualisierungsversuche ändern oder überschreiben Johann Gottlieb Stephanies Libretto.
Luk...
