Magischer Expressionismus
Eigentlich ein ganz normaler Ort, so ein Hotelzimmer. Das gilt selbst dann, wenn es mit einem Konzertflügel und Wandschmuck à la Louis XV., mit Flachbildschirm und Baldachin überm Bett ausgestattet ist.
Doch normal ist wenig von dem, was in den zwei pausenlosen Stunden an der Bayerischen Staatsoper in diesem Hotelzimmer geschehen wird: Da macht sich schon bald das Bett selbstständig, darunter taucht eine zitternde Frau im Pyjama auf; da saust plötzlich die Stuckdecke gen Himmel und schieben sich die Wände derart bedrohlich zusammen, dass von all den herrlichen Möbeln nur eine riesige Müllhalde bleibt. Was die Bühnenbildnerin Rebecca Ringst als ebenso durchgestylte wie dynamische Raumkomposition für Sergej Prokofjews Oper «Der feurige Engel» entworfen hat, demonstriert genau das, was auch Regisseur Barrie Kosky in dem während der letzten Jahre wieder häufiger aufgeführten Stück sieht: Er will die magischen, psychotischen, parapsychologischen und religiösen Motive nicht auflösen, sondern im Kontrast mit dem Setting einer vermeintlich durch und durch aufgeklärten Gegenwart noch steigern.
Schließlich war die Moderne bereits auf dem Höhepunkt, als Prokofjew in den 1920-er-Jahren den zur ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Michael Stallknecht
ARD-ALPHA
3.1. – 11.00 Uhr
Die Tonangeber.
Beobachtungen beim 64. Internationalen ARD-Musikwettbewerb.
6.1. – 11.00 Uhr
Mariss Jansons dirigiert
Dvorák: Aus der Neuen Welt. Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.
6.1. – 20.15 Uhr
Händel: Messiah.
B'Rock – Belgian Baroque Orchestra Ghent, Chor des Bayerischen Rundfunks, Peter Dijkstra. Solisten: Julia Doyle, Lawrence...
Im Vorwort zum Libretto von «Le nozze di Figaro» bemerkt Lorenzo da Ponte, sein und Mozarts Ziel sei, «eine fast neue Art des Schauspiels» zu schaffen. Aus diesem Vorsatz scheint auch Stefan Herheim seine Inszenierung für die Hamburger Staatsoper entwickelt zu haben. Bühnenbildner Christoph Hetzer staffiert dafür Decke und Wände mit 1500 Faksimile-Seiten der Oper...
Gioachino Rossinis schnelle Koloraturen und jähe Sprünge verlangen agile, bewegliche Stimmen. Man könnte auch sagen: sportliche. Hat deshalb die Regisseurin Mariame Clément an der Opera Vlaanderen in Gent das «Armida»-Geschehen von den Toren Jerusalems zur Zeit der Kreuzritter in ein Sportstadion der Jetztzeit verlegt? Oder legte die Übermacht des männlichen...
