Magischer Expressionismus
Eigentlich ein ganz normaler Ort, so ein Hotelzimmer. Das gilt selbst dann, wenn es mit einem Konzertflügel und Wandschmuck à la Louis XV., mit Flachbildschirm und Baldachin überm Bett ausgestattet ist.
Doch normal ist wenig von dem, was in den zwei pausenlosen Stunden an der Bayerischen Staatsoper in diesem Hotelzimmer geschehen wird: Da macht sich schon bald das Bett selbstständig, darunter taucht eine zitternde Frau im Pyjama auf; da saust plötzlich die Stuckdecke gen Himmel und schieben sich die Wände derart bedrohlich zusammen, dass von all den herrlichen Möbeln nur eine riesige Müllhalde bleibt. Was die Bühnenbildnerin Rebecca Ringst als ebenso durchgestylte wie dynamische Raumkomposition für Sergej Prokofjews Oper «Der feurige Engel» entworfen hat, demonstriert genau das, was auch Regisseur Barrie Kosky in dem während der letzten Jahre wieder häufiger aufgeführten Stück sieht: Er will die magischen, psychotischen, parapsychologischen und religiösen Motive nicht auflösen, sondern im Kontrast mit dem Setting einer vermeintlich durch und durch aufgeklärten Gegenwart noch steigern.
Schließlich war die Moderne bereits auf dem Höhepunkt, als Prokofjew in den 1920-er-Jahren den zur ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Michael Stallknecht
«Wenn Ihr nicht alle so langweilige Kerle wärt, müsste das ‹Rheingold› in zwei Stunden fertig sein», wetterte einst Richard Wagner. Selbst Hans Richter brauchte bei der Uraufführung 1869 in München zweieinhalb Stunden für den «Vorabend» zum «Ring». Nun liegt der Mitschnitt einer konzertanten «Rheingold»-Aufführung vor, wieder aus München. Simon Rattle ist – nach...
Der Mensch liebt es anscheinend, sich zu schinden. Etwa jeden Oktober auf der Hauptinsel von Hawaii beim «Ironman» – 3,86 km Schwimmen, 180 km auf dem Rad sowie die traditionelle Marathon-Distanz von 42,2 Kilometern (die «Eisenmänner» der letzten beide Jahre waren übrigens Deutsche). Ob es Barrie Kosky 2012 mit dem Monteverdi-Triathlon zu Beginn seiner Ära an der...
Es gibt sie ja, die Regisseure, die statt des ihnen aufgetragenen einen Werks gleich zwei oder drei auf einmal inszenieren. Patrice Chéreau war so einer, der Bedeutungsebenen übereinanderschichtete. Der aktuell bemerkenswerteste Fall ist Stefan Herheim. Und Norweger wie er ist auch der vom Schauspiel kommende Ole Anders Tandberg – der jetzt bei seinem Debüt am...
