Aus der Mottenkiste
Ihre erste gemeinsame Arbeit für die Musiktheaterbühne wurde vor 15 Jahren in San Francisco uraufgeführt: «Dead Man Walking». Seitdem sind Jake Heggie und sein Kompagnon Terence McNally ein gefragtes Gespann. An der Dallas Opera meldeten sich der Erfolgskomponist und der Erfolgsdramatiker unlängst mit ihrer jüngsten Errungenschaft zu Wort: «Great Scott». Eine, um es gleich zu sagen, ungelenke, überfrachtete Backstage-Comedy, die Heggie wieder einmal nutzt, um seine kompositorischen Anverwandlungskünste auszustellen.
Alles überzuckert mit der für ihn typischen sangbar-klebrigen Melodienglasur, versteht sich.
Und so geht der dünne Plot: Die berühmte Opernsängerin Arden Scott steckt in der Midlife-Crisis. Sie kehrt in ihre Heimatstadt zurück, um mit der Uraufführung einer verloren geglaubten Belcanto-Oper an vergangene Bühnenerfolge anzuknüpfen. Zu dumm, dass am Premierenabend das lokale Football-Team ein wichtiges Spiel zu bestreiten hat. Schon diese Koinzidenz wirkt so konstruiert wie die meisten Einfälle des Librettisten. Probenszenen und Sequenzen aus der Vorstellung des wiederentdeckten Werks alternieren mit sentimentalen Flashbacks der Sängerin. Mal sinniert sie über ihre ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Heidi Waleson
Wir blicken auf Christian Thielemanns Scheitel vorne am Pult des Staatsopernorchesters und wissen, dass wir hier richtig sind: im deutschen Wald. Wunderbar süffig erzählen die Hörner vom Abendsegen, flauschig übernehmen die Streicher, pikant assistiert das Holz. Mit Akribie führt einer der zur Zeit besten Wagner-Dirigenten vor, was Engelbert Humperdinck von Richard...
Zunehmende Lebenserfahrung kann die Menschen ja in zwei Richtungen lenken: Die einen werden verbissen, die anderen altersmilde. Jürgen Flimm gehört zur zweiten Kategorie. Bewundernswert, mit welcher Gelassenheit er sein Amt als Berliner Staatsopernintendant ausfüllt, als Nummer 2 hinter seinem allmächtigen Musikchef Daniel Barenboim. Was seine Nachfolge betrifft,...
Fahler Glanz flackert im Raum. Schneegrau schimmern Wand und Boden, salzmatt die Kleider. Der Stuhl, das Boot, das Bett. Mitten im Leeren steht eine Tür: Regisseur Graham Vick und sein Bühnenbildner Richard Hudson bezeichnen damit den Übergang zwischen zwei unscharf abgegrenzten, doch existenziell verschiedenen Zuständen: Leben und Tod. Denn um diesen Übergang geht...
