Magie und Vergänglichkeit

Venedig ist Bühne, Klang, Oper im Kleinen wie im Großen. Ein Ort voller Geschichte und Geschichten, ein Ort vielfältiger Inspiration, an dem sich Eros und Thanatos gute Nacht sagen. Eine Liebeserklärung mit Musikbeispielen

Keine wie sie ist so sehr Bühne. In keiner anderen Stadt machen Frauen und Männer einander solch opernreife Szenen der Leidenschaft. Nur hier wirken Identitätentausch und Simulation im Rollenspiel des Karnevals vollkommen natürlich und kunstvoll zugleich. Nirgends gehört das Singen von mittelprächtigen «O sole mio»-Tenören so selbstverständlich zum Leben wie am Canale Grande.

Und wo sonst spiegelt das Filigran der gotischen Palazzi so ideal das polyphone Stimmengeflecht der spätmittelalterlichen Madrigale – und die Renaissance-Architektur die klaren Linien von Monteverdis Musik?

Venedig ist Schauspiel. Venedig ist Musik. Venedig ist Oper – im Großen der Theater und im Kleinen des ganz normalen Lebens. Auf dem grandiosen, die Imposanz der einst unabhängigen Stadtrepublik und Welthandelsmetropole feiernden Markusplatz und den unzähligen lauschig versteckten Piazzetten, wo junge Paare die Süße erster Küsse probieren, Lorenzo Da Ponte den allzu venezianischen Libertin Don Giovanni für die Oper neu erfand und Casanova seine erotischen Erkundungen praktizierte. Kein Wunder also, dass die Oper eben hier mit den Meisterwerken Monteverdis ihren ersten Höhenflug erfuhr. Kein Wunder, dass ...

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Opernwelt Juni 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Peter Krause

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