Entzaubert

Wagners «Parsifal» ist das Stück der Stunde. Seine zentralen Topoi – Leiden und Erlösung – spiegeln die aktuelle Situation, werden aber, wie erst jüngst von Kirill Serebrennikov an der Wiener Staatsoper, ins Säkulare überführt. Aber wird das den Intentionen des «Bühnenweihfestspiels» gerecht? Einige Anmerkungen

Man wird nicht lange suchen müssen, um das Stück der Stunde zu entdecken. Wie kein zweites Musiktheater handelt Richard Wagners «Parsifal» vom Leiden und von der Hoffnung auf Erlösung, unabhängig von der Frage, wer in diesem Bühnenweihfestspiel eigentlich an wem oder was leidet und wer wie erlöst werden kann. Die Wunde, die der Speer schlug (und die nur der Speer schließen kann, der sie schlug), öffnet mannigfaltige Assoziations-, Interpretations- und Denkräume.

Wie weit sie auseinanderliegen und wie nah sie einander doch sind, war während der Osterfeiertage und auch noch danach noch einmal intensiv zu gewärtigen. Sowohl die Hamburgische als auch die Berliner Staatsoper zeigten (digitale) Wiederaufnahmen der «Parsifal»-Inszenierungen von Achim Freyer (Hamburg, 2017) und Dmitri Tcherniakov (Berlin, 2015/2020); das Nationaltheater Mannheim erinnerte in einem Dokumentarfilm von Sven Mundt an den längst legendären «Parsifal» aus dem Geiste Wieland Wagners von Hans Schüler aus dem Jahr 1957. Und die Wiener Staatsoper brachte Mitte des Monats eine brandneue «Parsifal»-Inszenierung von Kirill Serebrennikov heraus, die dieser, da ihm aufgrund einer überaus zweifelhaften Verurteilung nach ...

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Opernwelt Juni 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Jan Verheyen

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