Beste Unterhaltung

John Gays und Johann Christoph Pepuschs «Beggar’s Opera», inszeniert von Robert Carsen, mit William Christie an der Spitze seines Ensembles Les Arts Florissants

Tragödien zielen auf die Bedingtheit des menschlichen Lebens schlechthin, Komödien eher auf das Menschlich-Allzumenschliche unter den Bedingungen der jeweiligen Epoche. Weshalb, so ließe sich eine Faustregel des Theaters formulieren, Letztere rascher und gründlicher veralten als Erstere. Im Jahr 1928 gelang Kurt Weill und Bertolt Brecht bekanntlich eine glänzende Wiederbelebung der 200 Jahre alten «Beggar’s Opera» von John Gay und Johann Christoph Pepusch.

Doch weil kaum etwas zeitgebundener ist als Gangsterjargon, wirkt die «Dreigroschenoper» mittlerweile auch schon wieder gut abgehangen.

Seitdem folgten einige Bearbeitungen, die näher an den originalen Musiknummern bleiben. Eine davon brachte der Regisseur Robert Carsen 2018 im Rahmen einer großen europäischen Koproduktion am Pariser Théâtre des Bouffes du Nord heraus; sie wurde auf DVD festgehalten. Zu Recht. Denn der Kapitalismus, zu Beginn des 18. Jahrhunderts noch in den Kinderschuhen, ist geblieben, in London wie andernorts. Und mit ihm die schichtenübergreifende Frage, die  Peachum gleich zu Beginn formuliert: «What’s in it for me?» – Was springt für mich dabei raus? Für heutige Kleinkriminelle sind beim Dealen und Stehlen ...

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Opernwelt Juni 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 47
von Michael Stallknecht

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