Machtspiele unter Richelieu
Über die Notwendigkeit mancher Ausgrabung lässt sich streiten (sie-he OW 4/2016, S. 71), über diese nicht: Was die Stiftung Palazzetto Bru Zane hier vorlegt, ist ein abgeklärtes Meisterwerk. Gewiss: Bei den Zeitgenossen konnte sich dieser Spätling Gounods nicht durchsetzen, aber das gelang in Paris keiner einzigen historischen Oper nach Meyerbeers «Prophète». Zumal man dort nach dem verlorenen Krieg von 1870 anderes suchte als hässliche Palastintrigen aus der eigenen Geschichte.
Mit einem 5.
März hat «Cinq-Mars» nichts zu tun, vielmehr verweist der Name des Titelhelden auf die abgeschliffene Form des Dorfnamens «Saint-Médard». Der Marquis war nicht nur als Frauenheld, sondern auch für seinen politischen Ehrgeiz bekannt. In der Hoffnung, König Ludwig XIII. auf seine Seite zu ziehen, führte er eine Verschwörung gegen Richelieu an. Der allmächtige Kardinal war schlauer, Cinq-Mars endete mit 22 Jahren auf dem Schafott.
In Gounods Oper von 1877 wird daraus – mit gattungstypischer Fokussierung auf den Plan des Emporkömmlings, Maria von Gonzaga zu heiraten –, eine grausame «self-fulfilling prophecy». Wie schon in Alfred de Vignys historischem Roman von 1826 ist das blutige Ende ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: CD des Monats, Seite 25
von Anselm Gerhard
Die Gefühle stauen sich nachttief in diesem Kabinett manischer Depressionen. Mag die Musik noch so hellsichtig von geheimem Begehren erzählen, mag sie das entfremdende Spiel um Liebe, Geld und gesellschaftliche Anerkennung noch so klar aufdecken, für den tragischen Helden, der sich hier am Klavier, im Fauteuil oder auf dem Ball das wahre Leben herbeisehnt, kommt...
Zu den Gender-Phänomenen im Opernbetrieb gehört der Umstand, dass man Regisseurinnen gern mit Werken betraut, in denen die Psychologie von Frauen eine zentrale Rolle spielt ‒ und sich davon einen «weiblichen Blick» auf die Stücke erhofft. «Lucia di Lammermoor» gehört zu diesen klassischen Opern über eine geschundene Frauenseele, ebenso Puccinis «Suor Angelica» oder...
Ein Montag im Juni. Der Zuschauerraum der Münchner Kammerspiele liegt im Halbdunkel, in Reihe 8 sitzt David Marton, in T-Shirt, Jeans und Turnschuhen, und reibt sich die Augen. In wenigen Minuten beginnen die Endproben zu «Figaros Hochzeit», die Zeit rast, fünf Tage bleiben bis zur Premiere – und Marton kämpft gegen ein Problem, das nur die wenigsten Regisseure...
