Ein Fragezeichen, mehr nicht

Früher war er Pianist und Theatermusiker bei Frank Castorf und Christoph Marthaler. Heute gehört DAVID MARTON zu den radikalsten und innovativsten Köpfen im Musiktheater. Seit 2004 hat er zahlreiche Programme entwickelt, u. a. mit Musik von Monteverdi, Bach, Mozart, Beethoven und Berg. An der Opéra de Lyon inszenierte er Strauss’ «Capriccio», Glucks «Orfeo ed Euridice» und Berlioz’ «La Damnation de Faust». In der zurückliegenden Spielzeit realisierte der gebürtige Ungar unter dem Dach der Münchner Kammerspiele diverse Opernprojekte, darunter Abende nach Bellinis «La sonnambula» und Mozarts «Figaro». Ein Porträt

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Ein Montag im Juni. Der Zuschauerraum der Münchner Kammerspiele liegt im Halbdunkel, in Reihe 8 sitzt David Marton, in T-Shirt, Jeans und Turnschuhen, und reibt sich die Augen. In wenigen Minuten beginnen die Endproben zu «Figaros Hochzeit», die Zeit rast, fünf Tage bleiben bis zur Premiere – und Marton kämpft gegen ein Problem, das nur die wenigsten Regisseure ­einer Mozart-Oper vor ihm hatten; ihm hingegen ist es gut vertraut: Das Stück ist nicht fertig. Weder auf der Bühne, noch auf dem Papier; noch nicht einmal in seinem Kopf.

Das Bühnenbild, immerhin, ist schon gebaut: ein Haus, dem die Fassade abhandenkommt, ein Baum, ganz hinten eine festliche Tafel, das Bruchstück eines Salons, vorne rechts eine Badewanne – die Welt des Figaro in Anspielungen und Fragmenten. Exakt das, was Marton auch musikalisch und szenisch vorhat. Nur wie und in welcher Reihenfolge: Das wird wohl erst bei der Generalprobe klar sein, entwickelt und gefeilt wird bis in den Nachmittag des Premierentags. Fest steht bisher nur, was es nicht sein wird: «Figaros Hochzeit» vom ersten Ton bis zum letzten, mit Dirigent und Orchester, Sängern, die sich werktreu an das halten, was in Partitur und Libretto steht.

«Das ...

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Opernwelt August 2016
Rubrik: Porträt, Seite 52
von Florian Zinnecker

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