Ein Fragezeichen, mehr nicht
Ein Montag im Juni. Der Zuschauerraum der Münchner Kammerspiele liegt im Halbdunkel, in Reihe 8 sitzt David Marton, in T-Shirt, Jeans und Turnschuhen, und reibt sich die Augen. In wenigen Minuten beginnen die Endproben zu «Figaros Hochzeit», die Zeit rast, fünf Tage bleiben bis zur Premiere – und Marton kämpft gegen ein Problem, das nur die wenigsten Regisseure einer Mozart-Oper vor ihm hatten; ihm hingegen ist es gut vertraut: Das Stück ist nicht fertig. Weder auf der Bühne, noch auf dem Papier; noch nicht einmal in seinem Kopf.
Das Bühnenbild, immerhin, ist schon gebaut: ein Haus, dem die Fassade abhandenkommt, ein Baum, ganz hinten eine festliche Tafel, das Bruchstück eines Salons, vorne rechts eine Badewanne – die Welt des Figaro in Anspielungen und Fragmenten. Exakt das, was Marton auch musikalisch und szenisch vorhat. Nur wie und in welcher Reihenfolge: Das wird wohl erst bei der Generalprobe klar sein, entwickelt und gefeilt wird bis in den Nachmittag des Premierentags. Fest steht bisher nur, was es nicht sein wird: «Figaros Hochzeit» vom ersten Ton bis zum letzten, mit Dirigent und Orchester, Sängern, die sich werktreu an das halten, was in Partitur und Libretto steht.
«Das ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Porträt, Seite 52
von Florian Zinnecker
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