Immer nur das Eine
Wie viele Menschen passen in einen winzigen Wohnwagen? Zwei, vier, fünf? Falsch. Ungefähr fünfzig. Vorausgesetzt, es gibt einen mit Autoreifen verdeckten Einstieg durch die Unterbühne in den Boden der Camping-Behausung. Kleingeblümte, kopftuchtragende Frauen und schnauzbärtige Männer quellen samt ihrer Klappmöbel und Kochutensilien aus dem weißen Plastik-Ei, bis der Campingplatz (eine rostrote Halle mit schwerem Stahltor) voll ist, das gefällt dem Publikum, es lacht und lässt sich die nächsten zweieinhalb Stunden nur ungern davon abbringen.
Handlesende Zigeuner und eifersüchtige, vielweibernde Türken bevölkern Rossinis «Il turco in Italia», da jagt ein Klischee das nächste. Was hätten, sagen wir: Sebastian Baumgarten oder Christoph Nel daraus gemacht? Ein gesellschaftskritisches Stück über Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit vermutlich. Nicht Christof Loy an der Hamburgischen Staatsoper. Der traut sich was: macht Komödie, handwerklich virtuos und, oh Schreck!, eigentlich ganz konventionell. Mit genauen Beobachtungen, mit präziser Figurenzeichnung, mit fingerspitzenfeinfühligen Pointen. Loy reißt die vierte Wand ein, seine Darsteller dürfen das Publikum direkt anspielen und ...
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Die «Gräfin Mariza» hält manches Bonmot parat. Eines davon: «Denn deine Leidenschaft brennt heißer noch als Gulaschsaft». Wenden wir dies als Maßstab auf die Neueinspielung der «Csárdásfürstin» an, werden wir uns rasch wieder enttäuscht von ihr abwenden. Die Fürstin lahmt, ihr fehlt es an Witz, an Charme, an Koketterie. Altmeister Richard Bonynge bekommt das...
Die rasante Erschließung von Antonio Vivaldis musikdramatischem Œuvre ist momentan das erstaunlichste Phänomen auf dem Klassik-CD-Markt. Galt die Gesamtaufnahme selbst eines Vivaldi-Hauptwerks vor drei, vier Jahren noch als finanzielles Wagnis, stürzen sich mittlerweile selbst die großen Produzenten auf alles, was sich mit dem Etikett Vivaldi bekleben lässt –...
Ein Beitrag der Städtischen Bühnen ist das Einzige, was von der geplatzten Bewerbung Münsters für die europäische Kulturhauptstadt übrig blieb. Den Anfang eines Reigens mit Nationalopern der neuen EU-Mitglieder machte Polen mit «Halka» von Stanislaw Moniuszko. Dass es sich bei dem hierzulande selten gespielten Stück nicht um die Glorifizierung eines patriotischen...
