Immer nur das Eine
Wie viele Menschen passen in einen winzigen Wohnwagen? Zwei, vier, fünf? Falsch. Ungefähr fünfzig. Vorausgesetzt, es gibt einen mit Autoreifen verdeckten Einstieg durch die Unterbühne in den Boden der Camping-Behausung. Kleingeblümte, kopftuchtragende Frauen und schnauzbärtige Männer quellen samt ihrer Klappmöbel und Kochutensilien aus dem weißen Plastik-Ei, bis der Campingplatz (eine rostrote Halle mit schwerem Stahltor) voll ist, das gefällt dem Publikum, es lacht und lässt sich die nächsten zweieinhalb Stunden nur ungern davon abbringen.
Handlesende Zigeuner und eifersüchtige, vielweibernde Türken bevölkern Rossinis «Il turco in Italia», da jagt ein Klischee das nächste. Was hätten, sagen wir: Sebastian Baumgarten oder Christoph Nel daraus gemacht? Ein gesellschaftskritisches Stück über Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit vermutlich. Nicht Christof Loy an der Hamburgischen Staatsoper. Der traut sich was: macht Komödie, handwerklich virtuos und, oh Schreck!, eigentlich ganz konventionell. Mit genauen Beobachtungen, mit präziser Figurenzeichnung, mit fingerspitzenfeinfühligen Pointen. Loy reißt die vierte Wand ein, seine Darsteller dürfen das Publikum direkt anspielen und ...
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Die bühnenfüllende, bis ins Orchester sich hinabschwingende Freitreppe (Ausstattung: Sibylle Schmalbrock) wäre wie gemacht für den dritten «Arabella»-Akt. Sie signalisiert eher intaktes Großbürgertum, als dass sie die zwischen Traum und Wirklichkeit changierenden Brechungen dieses auf Jean Genet zurückgehenden Operneinakters des Schweden Peter Bengtson wiedergeben...
Im auf DVD konservierten Feature «The Making of a Maestro», das die BBC 1997 wenige Wochen nach Georg Soltis Tod ausstrahlte, sieht man den Dirigenten bei der Probe zu Bartóks Cantata profana «Die Zauberhirsche» im prachtvollen Jugendstil-Konzertsaal der Budapester Franz-Liszt-Musikakademie. Das Podium platzt aus den Nähten, Musiker und Chorsänger sitzen und stehen...
Auch das bringt der Alltag an einem Doppelinstitut mit sich: Nach elf Jahren war die alte «Parsifal»-Inszenierung des damaligen Generalintendanten Kurt Horres erstmals beim Partner Duisburg zu erleben. Erst jetzt verfügt das Haus über die entsprechende Podien- und Hydrauliktechnik. Ein verstaubter Blick auf Richard Wagners Bühnenweihfestspiel? Jein. Was die...
