Immer nur das Eine

Hamburg, Rossini: Il turco in Italia

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Wie viele Menschen passen in einen winzigen Wohnwagen? Zwei, vier, fünf? Falsch. Ungefähr fünfzig. ­Vorausgesetzt, es gibt einen mit Autoreifen verdeckten Einstieg durch die Unterbühne in den Boden der Camping-Behausung. Kleingeblümte, kopftuchtragende Frauen und schnauzbärtige Männer quellen samt ihrer Klappmöbel und Kochutensilien aus dem weißen Plas­tik-Ei, bis der Campingplatz (eine rostrote Halle mit schwerem Stahltor) voll ist, das gefällt dem Publikum, es lacht und lässt sich die nächsten zweieinhalb Stunden nur ungern davon abbringen.

Handlesende Zigeuner und eifersüchtige, vielweibernde Türken bevölkern Rossinis «Il turco in Italia», da jagt ein Klischee das nächste. Was hätten, sagen wir: Sebastian Baumgarten oder Christoph Nel da­raus gemacht? Ein gesellschaftskritisches Stück über Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit vermutlich. Nicht Chris­tof Loy an der Hamburgischen Staatsoper. Der traut sich was: macht Komödie, handwerklich virtuos und, oh Schreck!, eigentlich ganz konventionell. Mit genauen Beobachtungen, mit präziser Figurenzeichnung, mit fingerspitzenfeinfühligen Pointen. Loy reißt die vierte Wand ein, seine Darsteller dürfen das Publikum direkt anspielen und ...

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Opernwelt Mai 2005
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Jochen Breiholz

Vergriffen
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