Macht und Wahn
Während Aufsteiger Heidenheim seine Daseinsberechtigung in der Fußball-Bundesliga erst noch beweisen muss, haben sich die sommerlichen Opernfestspiele in der kleinen Kreisstadt am Rand der schwäbischen Ostalb mit ihrem bescheidenen, aber feinen Programm längst im Kreis der Großen etabliert. Als Freilichtaufführung stand dieses Jahr Giuseppe Verdis «Don Carlo» auf dem Spielplan. Auf der Bühne des Congress-Centrums fand die komplette Präsentation von Verdis Frühwerk mit «Giovanna d’Arco», seiner siebten, 1845 uraufgeführten Oper, ihre Fortsetzung.
Von Schillers «Jungfrau von Orleans» ist in Temistocle Soleras dürrem Libretto wenig übrig geblieben. Giovanna, die König Carlo zum Sieg und zur Krönung führt, findet ihren Gegenspieler in ihrem Vater Giacomo, der argwöhnt, dass sie mit dem Teufel im Bunde steht, und sie an die feindlichen Engländer verrät. Erst als er sieht, dass sie keine Hexe ist, sondern ihrer göttlichen Sendung folgt, befreit er sie. Giovanna erringt zwar einen letzten Sieg, stirbt jedoch (wie bei Schiller und entgegen der historischen Wahrheit) auf dem Schlachtfeld.
Kompositorisch fällt «Giovanna d’Arco» hinter die beiden Vorgängerwerke «Ernani» und «I due Foscari» ...
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Opernwelt 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 30
von Uwe Schweikert, Werner M. Grimmerl
In dieser Saison feiert die San Francisco Opera glamourös ihr 100-jähriges Bestehen. Zur ersten Berührung mit dem Operngenre kam es in der Region im Zuge des sogenannten Gold Rush 1849; reisende Operntruppen halfen danach, das Interesse an der Gattung wachzuhalten. Allerdings bedurfte es eines aus Italien in die USA emigrierten Dirigenten, um 1923 eine feste...
Mit Beethoven hat die Schweinerei in der Musik begonnnen.» Der Satz könnte manchen Klassikverehrer schier in Rage versetzen: als kulturrevolutionär-dadaistische, schier blasphemische Schmähung eines schlechthin Erhabenen. Dabei stammt die Sentenz mitnichten von einem dandyhaften Provokateur: Der Wiener Komponist Josef Matthias Hauer geriet zwar mit Arnold Schönberg...
Der Satz ist beinahe schon ein Gedicht. Blumig-barock, beredt und beseelt von der Aura erlesener Formulierungskunst: «Wenn die Regeln des Umgangs nicht bloß Vorschriften einer konventionellen Höflichkeit oder gar einer gefährlichen Politik sein sollen, so müssen sie auf die Lehren von den Pflichten gegründet sein, die wir allen Arten Menschen schuldig sind, und...
