Lichte Höhen auf seltenen Erden
Wenden wir uns bei dieser Premiere, in deren Vorfeld sehr viel von Augmented Reality, von Brillen und Brillenkosten die Rede war, zunächst der akustischen Realität zu. Die war nämlich nicht weniger ungewöhnlich als das, was man durch die Brillen sah, und nutzte dafür sehr viel einfachere Mittel. Da ist der viel gelobte und immer als Konstante vorausgesetzte Festspielchor – spätestens unter Wilhelm Pitz und dann unter Norbert Balatsch ein Wunder an Durchschlagskraft, Präzision und Intonationssicherheit.
Die Gralsritter marschierten in Bayreuth lange wie eine geschlossene Truppe ein, rund und voluminös im Ton, selbstsicher im Glauben (Akt eins), unverhohlen in der Aggression (Akt drei). Diesmal schreiten sie nicht im gesunden Forte-Fortissimo, sondern halten sich an ein gespanntes Mezzopiano. Das zieht die Ohren ins Geschehen hinein und lässt viele Deutungsperspektiven zu. «Zum letzten Liebesmahle» gilt ja keiner Routineveranstaltung. Die Probleme der Ritterschaft sind offenkundig, besonders die ihres Königs Amfortas. Noch ist nicht sicher, ob und wie es weitergeht mit dem Gral und mit der Zukunft, ohne den dazugehörigen Speer. Kurz: Was bisher als üppiges, zugleich archaisches ...
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Opernwelt 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Stephan Mösch
È sogno? O realtà? Ist’s Traum? Oder Wirklichkeit? Die Frage, die sich der vermeintlich gehörnte Ford stellt, nachdem Sir John Falstaff dem inkognito ins Wirtshaus hereingeschneiten Gast seine sehr persönliche Sicht der Dinge dargelegt hat, ist durchaus berechtigt. Denn der bedauernswerte «Fontana», wie sich Ford wenig einfallsreich nennt, muss annehmen, seine...
Graham Clark kam «aus dem Nichts», wenn man so will: «Ich wurde Opernsänger, nachdem ich bereits eine Karriere als Sportlehrer sowie als Technischer Direktor einer städtischen Sportabteilung hinter mir hatte.» Geboren wurde Clark im November 1941 in Littleborough in der Metropolregion Greater Manchester. Die Stadt Manchester wurde bekanntlich im 18. Jahrhundert zum...
Seit der gute Goethe aus dem historisch verbürgten Scharlatan Johann Faustus eine vom Erkenntnisdrang getriebene und zu allerlei Verfehlungen neigende Figur des Theaters geformt hat, ist sein «Faust» aus der europäischen Kulturgeschichte im Grunde kaum mehr wegzudenken. Mannigfaltig sind die Zeugnisse dieser Auseinandersetzung in Philo -sophie, Literatur – und...
