Lustvolle Verschwörung
Titus kehrt zurück. Keine Oper hatte in Mozarts Jubeljahr 2006 einen so rauschhaften Wiederauftritt wie seine letzte: «La clemenza di Tito». An der bislang überschaubaren Diskografie lag’s wohl auch. Seit früheren Aufnahmen wie denen von István Kertész und Colin Davis (und trotz der späteren von Harnoncourt und Gardiner) schien es, als sei das Werk von der historischen Aufführungspraxis noch nicht wirklich entdeckt.
Im Mozart-Jahr gab es (neben diversen «Titus»-DVDs) gleich drei neue Gesamtaufnahmen – zumeist für Spitzen-Mezzos wie Vesselina Kasarova (unter dem unspezifischen Pinchas Steinberg, Sony) und Magdalena Kozená (mit einem müde wirkenden Charles Mackerras, Deutsche Grammophon). Überraschung: Die Krone gebührt eindeutig der Aufnahme mit dem geringsten Star-Auftrieb. Dirigent René Jacobs hat mit dem «Titus» nicht nur seinen fulminanten Mozart-Zyklus bei Harmonia Mundi um einen Glanzstein bereichert. Er definiert die Lust an der Seria völlig neu.
Frei vom Formeleinerlei, ohne dürren Aufmarsch der Hofchargen oder steifes Gefühlszeremoniell erscheint «Titus» fast als antikische Tragödie im Komödien-Treppenhaus. Ausgerechnet Mozarts in achtzehn Tagen hingefetzter, ungeliebter ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Unter den deutschsprachigen Opernhäusern kommt Stuttgart seit den 1950er Jahren eine besondere Stellung zu. Walter Erich Schäfer, Generalintendant von 1950 bis 1972 und in all diesen Jahren sein eigener Operndirektor, hat das Haus am Eckensee früh zu einem Kristallisationspunkt des modernen Regietheaters gemacht – lange bevor es diesen Begriff überhaupt gab....
Schumann gilt, wie Brahms, als der undramatische Komponist schlechthin, als Meister der lyrischen Kleinform, dessen Begabung sich in der Klaviermusik und im Lied erschöpft. Schumann selbst empfand es, wie er 1842 an Carl Koßmaly schrieb, anders: «Wissen Sie mein Morgen- und abendliches Künstlergebet? Deutsche Oper heißt es. Da ist zu wirken.»
Schumann, dies macht...
Endlich einmal dürfen die Musikkritiker ihren Arbeitsauftrag als Geigerzähler beim Wort nehmen, denn in dieser Opernnovität geht es – vordergründig? – um Atomstrahlung und andere Verheerungen. Wenn John Adams in Sachen J. Robert Oppenheimer zum Komponiergriffel greift (oder zum Computer-Keyboard), dann schlagen diesmal Physikerherzen höher, denn hier kommt zum...
