Schützen und schätzen Sie die Kunst!
Viel habe ich während meiner dreizehn Jahre als Intendant der Bayerischen Staatsoper gelernt. Dazu gehört, dass es leider nur zu oft unumgänglich für ein Opernhaus ist, bockig und kompromisslos zu sein. Es gehört zu unseren Aufgaben, die Vorstellung darüber, was möglich oder akzeptabel ist, auszudehnen. Die Politik sollte Toleranz aufbringen für das, was wir tun und sagen.
Diese Toleranz ist lebensnotwendig für die Oper, weil wir es hier mit der irrationalsten aller Kunstformen zu tun haben, in der Musik, Aktion und Text einander auf der Bühne begegnen und miteinander fusionieren – «live», vor den Augen unseres Publikums, wodurch ihm wiederum die Ohren geöffnet werden für das großartigste kollektive Ritual, das der Mensch jemals kreiert hat.
Eine Lektion musste ich in München nicht lernen (denn sie ist jedem Engländer angeboren), nämlich dass Misstrauen gegenüber Autoritäten die oberste Bürgerpflicht sein sollte. Das ist eine Verpflichtung für alle, die auf dem Kunstsektor tätig sind. Nur zu oft befürworten Politiker die zweckmäßige Ansicht, dass Demokratie «Regierung durch Diskussion» bedeutet, aber nur dann effektiv ist, wenn man jede Diskussion abwürgen kann. Zweifelsohne werde ...
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Opernwelt Die Erosion des sogenannten Bildungsbürgertums lässt sich leicht mit zwei Zahlen konkretisieren: Im Jahr 1958, ergab eine Studie, waren 58 Prozent der Opernbesucher in Deutschland unter fünfzig. Im Jahr 2005 waren es noch 26 Prozent. Was damit verschwindet, ist zweifellos auch ein Common Sense über das, was kulturell wichtig ist, was man kennen muss. Was...
Kunst komme nicht von Können, sondern von Müssen, meinte Arnold Schönberg. Die diesjährigen Ergebnisse unserer Kritiker-Umfrage zeigen noch etwas anderes: Kunst kommt von Kontinuität. Zumindest in der Oper. Dort kann Kontinuität viele Bereiche betreffen. Der schwerfällige Apparat eines Opernhauses braucht Zeit, sich auf bestimmte Leitlinien einzustellen, seien sie...
Schumann. Er erinnert an Robert Schumann, ein bisschen. Nicht physiognomisch, dafür ist er viel zu schlaksig. Auch ist nicht bekannt, dass Schumann sich der Welt je unrasiert gezeigt hätte. Nein, vor allem das Tempo ist es, das Tempo einer Schumann-Sonate: so rasch wie möglich. Und eben diese Spielanweisung scheint es irgendwo im Hinterkopf dieses erstaunlich...
