Losglück

Das Theater Basel zeigt Simon McBurneys «Zauberflöten»-Inszenierung – vor 15 Zuschauern

Der König hätte sich vielleicht amüsiert. Wahrscheinlicher aber ist, dass Ludwig II. von Bayern bereits 15 Zuschauer zu viel gewesen wären bei seinen legendären «Separatvorstellungen» im Münchner Cuvilliéstheater, deren idée fixe er einem Schauspieler einmal so erklärte: «Ich kann keine Illusion im Theater haben, solange die Leute mich unausgesetzt anstarren ... Ich will selbst schauen, aber kein Schauobjekt für die Menge sein!»

Diese Sorge hätte er wohl kaum haben müssen bei dieser «Zauberflöten»-Vorstellung im Theater Basel.

Denn das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes während der gesamten, dreistündigen Vorstellung war dort Pflicht. Womit der Kanton Basel immerhin einen Theaterspielbetrieb möglich macht, wie er zur selben Zeit gleich nebenan in Deutschland in keinem Bundesland vorstellbar gewesen wäre. Aber zu welchem Preis?

Wer das überaus großzügige Foyer des 1975 erbauten Hauses an diesem Abend betritt, ahnt es: vorne eine Art Wahlurne mit der Aufschrift «Kollekte», dahinter: Leere. Vereinzelt ein, zwei Menschen an Tischen, natürlich keine Pausengastronomie. Intendant Benedikt von Peter sagte es später unumwunden: Bei jeder Hauptprobe seien schon mehr Menschen im Zuschauerraum. ...

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Opernwelt Februar 2021
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Alexander Dick

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