Falsche Scham
Abhauen. Sagen, man ginge bloß mal um die Ecke, Zigaretten holen. Und nicht mehr heimkommen. Weg. Irgendwohin. Die Zurückgebliebenen würden später mit Glück ein paar Zettel finden mit bruchstückhaften Begründungen, eine Art Tagebuch, voll vom Schwanken zwischen Zweifel und Hoffnung, voller Skrupel und einem plötzlichen Entschluss. Und vielleicht stünde da etwas von einer jungen Geliebten. Vielleicht auch nicht.
Zahlreiche Männer mögen in ihren Wachträumen solche Situationen imaginieren – womöglich auch Leoš Janáček, als er im Sommer 1917, selbst über 60, die 25-jährige Kamila Stösslová lieben lernte. Der Johannistrieb des Komponisten lebte sich freilich virtuell aus, die Beziehung blieb vor allem postalischer Natur. Liebe mit gezücktem Brieföffner sozusagen.
Kamila, die Muse, zum Ideal verklärt, verlockte indes nicht zur realen Flucht. Stattdessen öffnete sie dem Komponisten die viel reicheren Räume der Fantasie. Denn die Beziehung des jungen Bauern Jan zum Zigeunermädchen Zefka unterscheidet sich deutlich von jener Janáčeks zu Kamila. Verzehrende Scham bestimmt letztlich das Verschwinden des Burschen, und die rührt nicht etwa vom Bewusstsein her, gegenüber der verführerischen ...
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Opernwelt Februar 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Gerhard Persché
Wirrer, abenteuerlicher und undurchschaubarer als in Pietro Antonio Cestis 1657 in Innsbruck uraufgeführtem Dramma musicale «La Dori ò vero La Schiava Fedele» geht es wohl in keiner anderen Barockoper zu. Prinzessin Dori und Prinz Oronte sind einander schon als Kinder versprochen, doch ein grausames Schicksal trennt sie. Wenn sie am Ende einander finden, haben...
alpha
07.02. – 21.50 Uhr
Absolute Prokofiew (1/5)
Valery Gergiev dirigiert
Symphonie Nr. 1
S: Trifonow
14.02. – 22.00 Uhr
Absolute Prokofiew (2/5)
Valery Gergiev dirigiert
Symphonie Nr. 2 und Nr. 3
S: Toradze
21.02. – 21.45 Uhr
Absolute Prokofiew (3/5)
Valery Gergiev dirigiert
Symphonie Nr. 4, Klavierkonzert Nr. 4 und Klaviersonate Nr. 7
S: Volodin
28.02. – 21.45...
JUBILARE
Gabriele Schnaut studierte Musikwissenschaft und Violine in Mainz und absolvierte anschließend ihre Gesangsausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/Main bei Elisa Cavelti. Als Alt-Solistin in den Kantaten und Oratorien Bachs machte sie bereits während ihres Studiums, das sie als Stipendiatin der Studienstiftung des...
