Belcanto-Kronen

Diana Damrau widmet sich Donizettis Tudor-Königinnen, Lawrence Brownlee und Michael Spyres erobern im Sturm den Thron der Rossini-Tenöre

Am 27. März 2019 nahm Edita Gruberová am Münchner Nationaltheater ihren Abschied von der Bühne – als Elisabetta in Gaetano Donizettis «Roberto Devereux», die am Ende dieser Oper der Herrschaft entsagt. Der Thron einer Königin der Koloratur wurde frei und eine der derzeit weltweit gefeierten Vertreterinnen des virtuosen Sopranfachs machte sich bereit, diesen Thron zu besteigen. Im Juli 2019 nahm Diana Damrau mit Chor und Orchester der Accademia Nazionale di Santa Cecilia unter der Leitung von Antonio Pappano das Album «Tudor Queens» auf.

Unter demselben Titel hatte Edita Gruberová kurz vor der Jahrtausendwende eine aus früher entstandenen Aufnahmen zusammengestellte Szenenauswahl aus Donizettis Trilogie «Anna Bolena», «Maria Stuarda» und «Roberto Devereux» veröffentlicht. Diese drei Opern stehen auch im Zentrum von Diana Damraus CD, ein Vergleich drängt sich daher geradezu auf.

Edita Gruberovás Gestaltung des sogenannten Belcanto-Repertoires wurde zwar in den höchsten Tönen gepriesen, es fehlte aber auch nicht an Stimmen, die der Sängerin eine Neigung zur Manieriertheit vorhielten, weil sie jede Phrase bis in die kleinste Note durchgestaltete und dabei vorführte, gelegentlich ...

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Opernwelt Februar 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Thomas Seedorf

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