Lieder ohne Melodien
Äneas Humm gebietet zweifelsohne über eine ausgezeichnete, charakteristische Baritonstimme, frei und offen, unmittelbar ansprechend, nobel im Ausdruck. Eine Stimme, die darüber hinaus durch vorbildliche Textverständlichkeit besticht. Auf dem Album mit dem Titel «Libertas» finden sich außerdem zwei seltene Komponisten-Namen: Amy Beach und Joseph Marx. Das klingt interessant, ist es aber letztlich nicht. Der Sänger und sein vorwiegend auf Chormusik spezialisiertes Label riskieren damit viel – große Gefahr, kein Gewinn.
Die Frau aus Boston und den Mann aus Graz als Traditionalisten zu bezeichnen, wäre geschmeichelt; sie waren Epigonen von stark begrenzter Erfindungskraft. Ihre ambitioniertesten Werke, Beachs «Gaelic Symphony» (1896) und Marx’ «Herbst-Symphonie» (1921), sind definitiv keine Bereicherung des Repertoires. Sie liegen beide auf Tonträgern vor, doch wird sich das freiwillig kaum jemand zweimal anhören. Besonders deutlich tritt das Unvermögen zu einer klaren Aussage im Liedschaffen hervor. Werden diese Versuche auch noch mit Beethoven und Schubert kombiniert, läuft es auf eine Kompromittierung hinaus. Der Abstand zu den großen deutschsprachigen Lyrikern um 1920 – Richard ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Medien, Seite 42
von Volker Tarnow
Als ich Giselher Klebe im März 2006 in Detmold zu einem Gespräch traf, galt meine letzte Frage der Zukunft der Oper als komponierter Form, wie er sie betrieben hat. Seine Antwort war niederschmetternd: «Es besteht die Gefahr, dass sie keine Zukunft hat.» Aufgeführt wurden seine Bühnenwerke schon damals kaum mehr, und diskographisch war es um ihn seit jeher schlecht...
Die Machos können beruhigt sein. Männer am Herd, Frauen an der Macht, dies sogar mit einer Generalin an der Spitze, so etwas bleibt beschränkt auf eine Enklave im Ozean. Zumindest in jener «verdrehten Welt», die Antonio Salieri auf ein Libretto von Caterino Tommaso Mazzolà imaginierte. «Il mondo alla rove -scia» heißt der Zweieinhalbstünder im Original und...
Mit 2700 Sitzen und einer 20 Meter hohen Decke wirkt der Saal der Opéra Bastille eher einschüchternd als einladend. Ein großer Raum für große Gesten. Wie stark muss die Versuchung sein, ihn mit allem zu füllen, was Stimme und Körper zu bieten haben. Asmik Grigorian aber steht einfach nur da und singt – die Hände locker ineinander gelegt. Ihr braunes Haar umspielt...
