Vom Kornett zur Autohupe
Am Anfang einer langen Geschichte steht die Toccata für fünf Kornett-Stimmen, Generalbass und sicher auch Schlaginstrumente, die Monteverdi seinem «Orfeo» voranstellte und deren dreimaliger Auftritt «ein unkonzentriertes, lärmiges Publikum dazu bringen sollte, zumindest leiser zu reden». Knapp vier Jahrhunderte später eröffnet György Ligeti seine Oper «Le Grand Macabre» mit einem in sich geschlossenen Instrumentalstück für zwölf Auto -hupen.
Die Toccata war kein sachhaltiges Signal für Sujet und Musik der folgenden Favola in musica, allenfalls huldigte sie durch Prachtentfaltung dem anwesenden Herzog von Mantua. Die normsprengenden Autohupen aber stimmen präzise auf ein groteskes Geschehen ein, dessen abnormer Protagonist der Höllenfürst Nekrotzar ist.
Die vielfältigen Weisen, «die Eröffnung einer Oper möglichst eng mit deren Handlung zu verknüpfen», untersucht Anselm Gerhard nun in seinem «Streifzug» durch die Operngeschichte – ein feines Understatement, denn das kompakte Buch kumuliert keineswegs bloß anekdotisches Wissen, sondern exponiert mit beneidenswert leichter Hand strukturgeschichtliche wie werkstrukturelle Beobachtungen und Thesen. Wie nah seine Überlegungen an den ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Medien, Seite 43
von Klaus Heinrich Kohrs
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