Lied von der Qualle
Dass in dem Wort Qualle die Qual enthalten ist, wäre eine kalauernde Erklärung, warum während des Finales im dritten «Figaro-Akt eine gewaltige Medusa mit Tentakeln sich wie ein fahler Mond am Horizont erhebt. Klar, eine Metapher, trotzdem unschön anzusehen, wie die seelische Qual, die sich hier das Hauptpersonal gegenseitig bereitet. Für Programmheftleser dechiffriert sich das Bild durch eine sophistische Volte im Gespräch zwischen dem Dramaturgen und der Regisseurin.
Er fragt, ob Quallen Liebeskummer haben … Hoffentlich nicht, repliziert die für die Inszenierung verantwortliche Christiane Pohle. Die Begegnung des «Figaro»-Personals mit einer «Tiefseeexistenz», vermutet sie, wäre vielleicht bereichernder als die mit «dem*r nächsten menschlichen Lebensabschnittsgefährt*in».
Wer so sprachlich murkst und die These dann auf die Bühne bringt, muss mit dem Einspruch von Mozarts Musik rechnen – selbst dann, wenn sie für einen Moment lediglich den Traum vom (gewesenen) Glück evoziert und damit eine pessimistische Sicht auf menschliche Beziehungsfähigkeit andeutet. Ein Moment wie am Schluss der Oper, nach der Bitte des Grafen um Verzeihung. Das schmerzliche G-Dur-Feld und die ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Götz Thieme
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