Konzentrische Kreise

Die English National Opera huldigt in London dem Sänger aller Sänger: Orpheus-Opern von Gluck, Offenbach, Philip Glass und Harrison Birtwistle

Opernwelt - Logo

Ein Luxus-Loft, Glas, viel freie Flächen. An den Wänden glänzen gerahmte LPs und einige Gitarren, in der Mitte prangt ein Designerbett. Rechts hinten tanzen Wasserreflexe bläulich über die Wand: Aus dem Bad taucht, keuchend wie ein knapp dem Ertrinken Entronnener, Orpheus auf und spuckt Konsonanten. Bis er sich gefangen hat, hält Apollo mit langen Rezitationen vom Zuspielband die Stellung. Orpheus erstes gesungenes Wort ist, wie könnte es anders sein, «Eurydice».

Harrison Birtwistles «The Mask of Orpheus» ist auf die Bühne des Londoner Coliseums zurückgekehrt.

Hier wurde das Stück 1986 uraufgeführt, um dann 32 Jahre in der Versenkung zu verschwinden. Der Grund dafür erschließt sich ohne Weiteres. So vielfädig kommt die «Handlung» daher, dass die Synopsis im Programmheft fünf Seiten füllt. Die großflächig eingesetzten IRCAM-Tapes wirken heute aus der Zeit gefallen, geradezu retro-futuristisch. Es wird gesungen, gesprochen, geschwiegen, neben Sängern kommen auch Mimen bzw. Tänzer zum Einsatz (hier: Zirkusartisten). Die Hauptfiguren treten in dreifacher Ausführung auf. Zwei Dirigenten haben schwer zu tun. Libretto wie Musik bauen auf Wiederholungen und sorgen für eine ritualhafte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Wiebke Roloff Halsey

Weitere Beiträge
O Tanz, o Rausch, o Wahn!

Das Bild passt zur Musik. Vor dem Spiegel, im Totenhemd, die kahle Sängerin, ein Gespenst: Marie. Hinter ihr Paul, der Witwer, «in höchster Erregung» (Regieanweisung), aber noch höherer Verwirrung, dem Tod ins Auge blickend: Einen Tritonus hinauf springt sein Ruf, vom zweigestrichenen es zum a, aber er gilt der falschen Frau: «Marietta». Die abfallende kleine...

Imaginäre Bühne

«Toujours à l’improviste» – immer aus dem Augenblick heraus: So seien ihm die einzelnen Szenen von «La Damnation de Faust» während einer Konzertreise durchs alte Europa erschienen. «Ich suchte nicht nach Ideen, ich ließ sie zu mir kommen, und sie stellten sich ein, in völlig unerwarteter Reihenfolge.» Erst in einem letzten Arbeitsschritt habe er das Heterogene zu...

TV-Klassiktipps Januar 2020

arte

01.01. – 18.15 Uhr
Neujahrskonzert 2020 aus dem Teatro La Fenice

Auf dem Programm: Arien und Ouvertüren von Verdi, Puccini, Offenbach und Nino Rota. Zum 17. Mal findet in Venedigs berühmten Opernhaus das traditionelle Neujahrskonzert statt. Auch diesmal wird der zweite Teil des Konzertes, der dem großen Opernrepertoire gewidmet ist, für das Fernsehen...