Konzentrische Kreise
Ein Luxus-Loft, Glas, viel freie Flächen. An den Wänden glänzen gerahmte LPs und einige Gitarren, in der Mitte prangt ein Designerbett. Rechts hinten tanzen Wasserreflexe bläulich über die Wand: Aus dem Bad taucht, keuchend wie ein knapp dem Ertrinken Entronnener, Orpheus auf und spuckt Konsonanten. Bis er sich gefangen hat, hält Apollo mit langen Rezitationen vom Zuspielband die Stellung. Orpheus erstes gesungenes Wort ist, wie könnte es anders sein, «Eurydice».
Harrison Birtwistles «The Mask of Orpheus» ist auf die Bühne des Londoner Coliseums zurückgekehrt.
Hier wurde das Stück 1986 uraufgeführt, um dann 32 Jahre in der Versenkung zu verschwinden. Der Grund dafür erschließt sich ohne Weiteres. So vielfädig kommt die «Handlung» daher, dass die Synopsis im Programmheft fünf Seiten füllt. Die großflächig eingesetzten IRCAM-Tapes wirken heute aus der Zeit gefallen, geradezu retro-futuristisch. Es wird gesungen, gesprochen, geschwiegen, neben Sängern kommen auch Mimen bzw. Tänzer zum Einsatz (hier: Zirkusartisten). Die Hauptfiguren treten in dreifacher Ausführung auf. Zwei Dirigenten haben schwer zu tun. Libretto wie Musik bauen auf Wiederholungen und sorgen für eine ritualhafte ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Wiebke Roloff Halsey
Warum Schubert die Komposition seines «Lazarus»-Oratoriums abbrach, ist nicht bekannt. Gut möglich, dass ihm der für den dritten Teil des religiösen Dramas vorgesehene hymnische Erlösungston des Librettisten August Hermann Niemeyer die Eingebung verhagelte. Das im Februar 1820 entstandene Werk endet mit einem hochdramatischen Rezitativ und Arienfragment, molto...
Die Frage mag verwegen sein, vielleicht sogar ein bisschen unverfroren. Aber die Zeit ist danach, sie einmal ganz ohne Zungenschlag zu stellen: Gibt es eine weibliche Sicht auf Verdis Musikdrama «La traviata»? Und ist diese Sicht, so sie existiert, womöglich imstande, eine veränderte Rezeptionshaltung zu implantieren? Die Deutungen von Ellen Lamm in Stockholm und...
Herr Reinvere, wie sind Sie eigentlich auf das Thema «Beethovens Tochter» gestoßen?
Auslöser meines Interesses war sein berühmter Brief an die «Unsterbliche Geliebte» aus dem Jahr 1812. Wenn man sich fragt, welche Frau die Adressatin dieses Briefes gewesen sein könnte, begegnet man sehr schnell Josephine Brunsvik, jener aus einem ungarischen Adelsgeschlecht...
