Liebestod

Rautavaara: Kaivos Varga: Szerelem Budapest / Staatsoper

Opernwelt - Logo

Es ist geradezu bizarr, mit welcher Vehemenz das autoritäre Orbán-Regime den 60. Jahrestag des Oktober-Aufstands 1956 feiert. Allerdings profitieren einige etablierte Kunstsparten von der ideologischen Enteignung der historischen Ereignisse. So widerfuhr beispielsweise dem im Juli dieses Jahres verstorbenen finnischen Komponisten Einojuhani Rautavaara posthume Gerechtigkeit: Seine bedeutendste, vom ungarischen Volksaufstand inspirierte Oper «Kaivos» (Das Bergwerk, 1962) erlebte nach über 50 Jahren an der Budapester Oper ihre szenische Uraufführung.

Wegen der heiklen politischen Beziehungen zwischen Finnland und der Sowjetunion war das aufrührende Werk in Helsinki nie auf eine Opernbühne gelangt; 1963 gab es eine Fernsehadaption, 2010 immerhin eine konzertante Aufführung.

Die Oper, von Regisseur Vilppu Kiljunen eher nüchtern-naturalistisch in Szene gesetzt, handelt von aufständischen Bergmännern, deren Anführer über die schwindenden Chancen einer Rebellion, das Verlangen der Masse nach einem Anführer, die Verantwortung einer solchen Führerrolle sowie – mit Blick auf Sartres Existenzialismus – so lange über die Freiheit der Wahl sinnieren, bis der Aufstand von den Regierungskräften ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Máté Mesterházi

Weitere Beiträge
Hintergründig

Knapp sieht anders aus. Exakt 1516 der notwendigen 10562 Unterschriften fehlten für ein Bürgerbegehren. Monatelang hatte die Initiative gegen die Augsburger Theatersanierung ein Geheimnis um den Stand ihrer Sammlung gemacht, am Ende stand sie kräftig blamiert da: Fantasienamen, Unterzeichnende, die minderjährig sind oder nicht in der Fuggerstadt wohnen; zudem...

Unergötzliches Gemetzel

Gute Nachrichten aus Parma: Nach Jahren programmatisch verordneter Schmalkost ist das Verdi Festival mit dem Schiller-Triptychon seines Namenspatrons und einem «Trovatore» zu einem Format zurückgekehrt, das seinem Ruf als nationales Opernereignis endlich wieder gerecht wird. Unter der Schirmherrschaft des jungen Bürgermeisters Federico Pizzarotti machte eine...

Was kommt...

Nino Rota, Ermanno Wolf-Ferrari
Zwei (fast) Vergessene, deren Leben und Wirken im Schatten prominenterer Großmeister ihrer Zeit blieb. Jetzt rücken sie Aufführungen in Gelsenkirchen, Görlitz und Graz wieder stärker ins Rampenlicht. 

Barbara Hannigan
Eine Sängerin erobert die Musikwelt. Erst als Spezialistin zeitgenössischer Musik, dann mit breit gestreutem...