Alles ist da

Im Jubiläums-Jahr 2017 führt John Eliot Gardiner Monteverdis drei Opern auf. Was macht diese Werke so besonders? Und was zeichnet einen guten Monteverdi-Sänger aus?

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Herr Gardiner, von Ihrem Kollegen Nikolaus Harnoncourt stammt der Satz: «Bei ‹historisch informiert› wird mir schlecht!» Wie sehen Sie das?
Ganz ähnlich. Harnoncourt war ein großartiger Mensch und ein großer Pionier. Es gibt für das, was wir tun, keinen Titel, den ich wirklich passend finde. Ich habe mich nie als Spezialisten verstanden. Aber schwerer zu ertragen als solche Spielmarken ist, dass viele Leute unter Musik nur noch Pop-Musik verstehen.

Mit dem Werk von Claudio Monteverdi fühlten Sie sich von Anfang an so stark verbunden, dass Sie sogar Ihren Chor nach ihm benannten.
Stimmt, für mich ist Monteverdi der Maßstab schlechthin. Unter anderem, weil er so ziemlich alles repräsentiert, was die Musik meiner Heimat nicht bieten kann. Monteverdi fordert, was uns englischen Musikern so schwerfällt: Leidenschaft, Vielfarbigkeit und eine Art Menschlichkeit in der Sprache. Eben die gesamte Palette der affetti umani.

Seit Ihren Aufnahmen von «Orfeo», «Poppea» und der «Marienvesper» in den 80er- und 90er-Jahren hat sich interpretationsgeschichtlich nicht übermäßig viel getan. Warum?
Da mag etwas dran sein, allerdings nur auf diesem Feld. Ansonsten ist die Landschaft viel reicher geworden. ...

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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Kai Luehrs-Kaiser

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