Liebesfreud und -leid
Bei der Lektüre von Patrick Grahls klugem Booklet-Beitrag zum vorliegenden Liedalbum könnte man auch an Moritz von Schwinds berühmte Zeichnung «Ein Schubert-Abend bei Josef von Spaun» denken: Franz Schubert am Klavier, links neben ihm der Hofopernbariton Johann Michael Vogl, um sie gedrängt die Freunde. Grahl geht es freilich um Mendelssohn; er bezieht sich im Zusammenhang mit dem Liedœuvre dieses Komponisten auf die (Bürger-) Stube als soziologischen Ort, als kreatives Zentrum, ein in diesen Zeiten doch wieder aktueller Ansatz.
In seiner CD legt er neun Lieder Mendelssohns, darunter auch das weithin populäre «Auf den Flügeln des Gesanges», quasi als exzellente Pufferzone zwischen zwei der bekanntesten Liedzyklen, Beethovens «An die ferne Geliebte» (1816) und Schumanns «Dichterliebe» (1840).
Ist bei Mendelssohn neben der für Grahl typischen intelligenten Gestaltung nach eigenem Bekenntnis auch die naive Freude des ehemaligen Thomaners Ausgangspunkt der Interpretation, nimmt er bei Schumann, aber auch Beethoven eher eine Mauerschau-Perspektive ein, als sich mit dem Lyrischen Ich zu identifizieren – wohl ganz im Sinne der Komponisten. Weswegen es auch müßig ist zu fragen, ob diese ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 36
von Gerhard Persché
Das Publikum steuerte dieses Jahr nicht das Theaterhaus, sondern ein Internetportal an. Die Epidemie ließ Eclat, dem Festival Neue Musik Stuttgart, in seinem 41. Jahr keine andere Chance als diese Hybrid-Form. Am Eröffnungsabend ging man ab 19 Uhr live vor leeren Reihen aus dem angestammten und beliebten Festivalort auf Sendung. Grund genug, melancholisch zu...
JUBILARE
Yuri Simonov kam in Saratow an der Wolga zur Welt. Er studierte am Leningrader Konservatorium bei Nikolai Rabinowitsch und begann seine Karriere als Assistent Jewgeni Mrawinskis bei den Leningrader Philharmonikern. Sein Erfolg beim Dirigentenwettbewerb der Accademia Santa Cecilia in Rom 1968 bescherte ihm ein Jahr später die Einladung ans Moskauer Bolschoi...
Herr Bosch, ein offener Brief an die Bundeskanzlerin, Vorsitz in der GMD-Konferenz etc.: Wie bewerten Sie diesen Teil Ihres Terminkalenders?
Das alles sind wichtige Bestandteile meiner Arbeit, aber sie dienen ausnahmslos dem einen Ziel: Musik zu machen unter möglichst guten Bedingungen. Dass ich für dieses Ziel auch viele Aufgaben wahrnehme, die mit Proben,...
