Liebesfreitod
Ihrem Namen nach würde sie gut in Wagners «Ring» passen. Hulda, das klingt nach nordischer Mythologie, nach jenem «Ort», den der Gesamtkunstwerker gern aufsuchte, um sich für seine eigene «Kunstreligion» inspirieren zu lassen .
Und in der Tat geht César Francks «Hulda», posthum in Monte Carlo uraufgeführt (1894), auf ein Drama des norwegischen Dichters und Dramatikers Bjørnstjerne Bjørnson zurück, welches dieser 1858 verfasste: «Halte-Hulda» erzählt mit psychologisch tief reichendem Blick die Geschichte einer Frau, die erst verraten und verkauft wird, dann per Zufall der Liebe ihres Lebens begegnet, um schließlich diesen Mann an eine andere zu verlieren. Die Verschmähte zieht daraus für sich selbst nur einen (logischen) Schluss: Sie geht ins Wasser.
Was Francks «Opéra en quatre actes et un epilogue» angeht, bietet sich der Blick in eine andere Tetralogie an, in Thomas Manns Roman-Epos «Joseph und seine Brüder». Gleich zu Beginn heißt es dort so treffend: «Tief ist der Brunnen der Vergangenheit.» Insbesondere auf die französische Oper des 19. Jahrhunderts trifft dies zu. Auch Francks «Hulda» lag lange unbeachtet auf dem Grund dieses Brunnens, bis das Team um den Musikologen ...
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Opernwelt 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 49
von Jürgen Otten
Der Satz ist beinahe schon ein Gedicht. Blumig-barock, beredt und beseelt von der Aura erlesener Formulierungskunst: «Wenn die Regeln des Umgangs nicht bloß Vorschriften einer konventionellen Höflichkeit oder gar einer gefährlichen Politik sein sollen, so müssen sie auf die Lehren von den Pflichten gegründet sein, die wir allen Arten Menschen schuldig sind, und...
In Polen gibt es ein neues, kleines und feines Opernfestival: das Baltic Opera Festival. Als Künstlerischer Leiter fungiert der polnische Bassbariton Tomasz Konieczny. 2009 entdeckte er bei einer konzertanten «Rheingold»-Aufführung (er selbst gab den Alberich) die szenisch damals noch brachliegende Waldoper von Sopot in der Nähe von Danzig und dachte über eine...
Gott ist tot, denn sonst könnte er nicht wieder auferstehen. Auch Calixto Bieito kann sich als inszenierender Agnostiker der Dialektik von Tod und Leben, dem kaum lösbaren Gegeneinander von Sterben und Weiterleben nicht entziehen bei seiner Regie von Georg Friedrich Händels frühem Oratorium «La Resurrezione» im Schwetzinger Schlosstheater, der Ausweichspielstätte...
