Reise ins Herz der Finsternis

Calixto Bieito setzt seinen gotteskritischen Dialog auch in der Inszenierung von Händels Oratorium «La Resurrezione» im Schlosstheater Schwetzingen fort

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Gott ist tot, denn sonst könnte er nicht wieder auferstehen. Auch Calixto Bieito kann sich als inszenierender Agnostiker der Dialektik von Tod und Leben, dem kaum lösbaren Gegeneinander von Sterben und Weiterleben nicht entziehen bei seiner Regie von Georg Friedrich Händels frühem Oratorium «La Resurrezione» im Schwetzinger Schlosstheater, der Ausweichspielstätte des Nationaltheaters Mannheim. Das Fazit des Mysteriums: Nur wer gestorben ist, kann leben.

Da sticht am Ende der Engel den auf Erlösung harrenden Menschen mit der Schere ins Ohr, sodass sie bei der Verkündigung der Botschaft tot niedersinken. Der Glaubensskeptiker Bieito lässt sie danach natürlich nicht wieder auferstehen. Stattdessen treibt er die gottsuchenden Maria Magdalena und Maria Kleophae in den Wahnsinn. Auch sie halten am Ende das Wunder nicht aus, an das sie glauben sollen, aber in Händels Oratorium nie zu Gesicht bekommen.

Wie einen Setzkasten benutzt Regisseur Bieito Händels Partitur: kürzt kräftig ein und stellt seinen dramaturgischen Bedürfnissen entsprechend um. Es ist eine vom Engel aus dem Zuschauerraum angeführte Reise in das Herz der Finsternis, das von Luzifer beherrscht wird. Die beiden Marien und ...

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Opernwelt 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 40
von Bernd Künzig

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