Zarte Nebel
In Polen gibt es ein neues, kleines und feines Opernfestival: das Baltic Opera Festival. Als Künstlerischer Leiter fungiert der polnische Bassbariton Tomasz Konieczny. 2009 entdeckte er bei einer konzertanten «Rheingold»-Aufführung (er selbst gab den Alberich) die szenisch damals noch brachliegende Waldoper von Sopot in der Nähe von Danzig und dachte über eine Wieder -belebung nach – mit erheblichen Folgen. Den Auftakt machte nun Karol Szymanowskis Operette «Die Männerlotterie oder Der Bräutigam Nr.
69» im Danziger Opernhaus: ein charmantes, etwas langatmiges Werk, solide inszeniert von Marcin Slawinski und famos besetzt mit polnischem Sangesnachwuchs. Der Clou der Erstausgabe aber war die szenische Reaktivierung der Waldoper mit Wagners «Fliegendem Holländer».
Konieczny – der, weil er zeitgleich in Bayreuth den Wotan singt, mit einem Kleinflugzeug hinund hergeflogen wird – berichtet, dass der Gründer der Waldoper weiland Konzertmeister im Danziger Orchester war. Mit seiner Violine pflegte er in den Sopoter Wäldern umherzuwandern; die Naturakustik bot ideale Bedingungen. Da die wohlhabenden Gäste des aufstrebenden Seebads und die zahlreichen Danziger in ihren Wochenend-Domizilen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 2023
Rubrik: Magazin, Seite 88
von Regine Müller
Just als Jewgeni Prigoschin sich mit seiner schwerbewaffneten Wagner-Truppe auf Moskau zubewegte, wurde im Bolschoi-Theater Schostakowitschs Oper «Lady Macbeth von Mzensk» (in der revidierten Version, als «Katerina Ismailova») gespielt, und einige Zuschauerinnen und Zuschauer dachten für einen Moment, sie würden nach der letzten Gefängnisszene auf die Straße gehen...
Wenden wir uns bei dieser Premiere, in deren Vorfeld sehr viel von Augmented Reality, von Brillen und Brillenkosten die Rede war, zunächst der akustischen Realität zu. Die war nämlich nicht weniger ungewöhnlich als das, was man durch die Brillen sah, und nutzte dafür sehr viel einfachere Mittel. Da ist der viel gelobte und immer als Konstante vorausgesetzte...
Wenn sich ein Problem nicht lösen lässt, ist es intelligent, es aus einer anderen Perspektive anzuschauen. Richard Wagner erzeugt im «Tannhäuser» ebenso wie im «Parsifal» eine Dichotomie zwischen Religion und Sexualität, die selbst für das 19. Jahrhundert radikal ist. Schon deshalb darf Tobias Kratzers Inszenierung für die Bayreuther Festspiele aus dem Jahr 2019...
