Licht statt Mystik
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute: deutsche Märchenopern. Beinahe könnte man diese Gattung für unsterblich halten. Sie feierte Hochkonjunktur in den Zeiten der Romantik, erlebte um 1900 eine neue Blütezeit, trat philosophisch ertüchtigt noch einmal mit Strauss’ «Frau ohne Schatten» und mit Respighis «La Campana sommersa» nach Gerhart Hauptmanns Märchendrama in Erscheinung und ist auch bei Zeitgenossen beliebt, wie Judith Weirs «Blond Eckbert» 1993 und «Das kalte Herz» von Matthias Pintscher kürzlich bewiesen.
Selbstverständlich gab es nach 1945 große Vorbehalte gegen die vermeintlich toxisch deutschen Themen, und stark betroffen waren davon, trotz gesellschaftskritischer Aspekte, auch Humperdincks «Königskinder». Sechs europäische Hauptstädte und New York hatten in der jeweiligen Landessprache die Oper nach der Münchener Uraufführung 1910 gezeigt, 1943 verboten die Nazis das Stück wegen der jüdischen Librettistin. Eine Aufnahme des Westdeutschen Rundfunks von 1952 mit Dietrich Fischer-Dieskau als Spielmann hielt die scheintoten «Königskinder» am Leben, Inszenierungen gab es erst wieder in den 1970er-Jahren, und zwar an kleineren deutschen Bühnen. The ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2026
Rubrik: Panorama, Seite 59
von Volker Tarnow
Seit vierzig Jahren steht Véronique Gens auf der Bühne – unermüdlich, unerschöpflich, unvergleichlich im goldenen Herbst ihrer Stimme. Allein anhand ihrer kaum mehr überschaubaren Diskographie ließe sich eine komplette Geschichte der französischen Oper von den Anfängen bis zur Moderne, von Jean-Baptiste Lullys «Alceste» bis zu Francis Poulencs Monodrama «La Voix...
Ein saftig grüner Kunstrasen erstreckt sich über die gesamte Bühne. Außer dieser opulenten, an einen Sportplatz erinnernden Spielfläche gibt es in R. B. Schlathers Inszenierung von Agostino Steffanis «Amor vien dal destino» keine weitere Kulisse, sieht man von einigen Feuerschalen ab, aus denen im dritten Akt domestizierte Flammen züngeln. Es gehört zweifellos Mut...
Sklaverei scheint in «aufgeklärten» Gesellschaften überwunden. Doch ist sie näher, als wir meinen – nicht nur angesichts des Terrors eines «Islamischen Staates» oder in libyschen Flüchtlingslagern. Auch zu Rossinis Zeiten war sie näher, als es Italienerinnen und Italienern lieb sein konnte. Noch bis 1830 kaperten Piraten vor allem aus dem heutigen Algerien Schiffe...
