Entführung ins Serail

Rossini: L’italiana in Algeri am Grand Theatre Genf

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Sklaverei scheint in «aufgeklärten» Gesellschaften überwunden. Doch ist sie näher, als wir meinen – nicht nur angesichts des Terrors eines «Islamischen Staates» oder in libyschen Flüchtlingslagern. Auch zu Rossinis Zeiten war sie näher, als es Italienerinnen und Italienern lieb sein konnte. Noch bis 1830 kaperten Piraten vor allem aus dem heutigen Algerien Schiffe im Mittelmeer, entführten Besatzung und Passagiere. Meist ging es um die Erpressung von Lösegeld. Die «Verwendung» der «Beute» als Galeerensklaven oder Sexsklavinnen scheint nach 1800 zur Ausnahme geworden zu sein.

In heutigen Inszenierungen von Rossinis «L’italiana in Algeri» wird dies selten thematisiert. Aus guten Gründen. Kann man die Untaten nordafrikanischer Piraten vergegenwärtigen, ohne gleichzeitig die monströsen Menschheitsverbrechen europäischer Kolonialmächte nach 1800 in den Blick zu nehmen? Auf der Bühne lassen sich solche Kluften kaum angemessen gestalten – noch weniger, wenn wir heute bei Sklaverei von Neuem an Warlords denken, die sich eine besonders menschenfeindliche Auslegung des Islam auf die Fahnen geschrieben haben.

Julien Chavaz, seit 2022 Generalintendant am Theater Magdeburg, meint es dagegen ...

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Opernwelt März 2026
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Anselm Gerhard

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