Letzte Bastion
Die 1823 in Venedig uraufgeführte «Semiramide» ist die letzte, größte und – mit fast vier Stunden Spieldauer – längste Oper, die Rossini für Italien schrieb. Das verworrene Sujet um die babylonische Königin Semiramis, die mit Hilfe ihres Geliebten Assur ihren Gatten Nino getötet hat und an seiner Stelle regiert, bevor schließlich ihr Sohn Arsace den Vater rächt, gehört zu den meistvertonten Stoffen der Operngeschichte.
Dramaturgisch versackt das Stück mit seinen operntypischen Intrigen irgendwo zwischen blassem Klassizismus und schauriger Prä-Romantik, fesselt als emotionales Hörtheater aber für einen langen Abend. Seit der Wiederbelebung durch Joan Sutherland und Marylin Horne in den 1960er-Jahren sind zahlreiche, meist mehr oder minder gekürzte Studioeinspielungen und Livemitschnitte erschienen. Sie alle toppt jetzt die ungekürzte Aufnahme durch die Londoner Opera Rara Society, die sich in den 40 Jahren ihres Bestehens große Verdienste um die Wiederentdeckung vergessener Meisterwerke des frühen 19. Jahrhunderts erworben hat.
Als absolutes Plus gegenüber der diskografischen Konkurrenz so bewährter Rossini-Dirigenten wie Alberto Zedda oder Antonino Fogliani erweist sich dabei die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Uwe Schweikert
Auf den Aufstand der Matrosen ist man in Kiel mächtig stolz. Als Helden einer Erhebung werden sie heute verehrt, die das morsche Kaiserreich zum Einsturz brachte. Als mutige Vorkämpfer der ersten Demokratie auf deutschem Boden. Der Platz zwischen Hauptbahnhof und Hörn, dem südlichen Hafenbecken, trägt seit 2011 ihren Namen, und in der alten Fischhalle am Wall...
Sperrt sich die Belcanto-Oper gegen den szenischen Rigorismus des Regietheaters? In der Salzburger Ära von Gerard Mortier konnte dieser Eindruck entstehen, vielleicht auch wegen der prononcierten italienischen Zuständigkeit Riccardo Mutis. Andererseits war Hans Neuenfels’ «Troubadour» in Nürnberg vor knapp einem halben Jahrhundert so etwas wie ein Erneuerungsfanal...
Frau Sun, Ihr jüngstes Projekt «Kolik» ist eins der extremsten Stücke seit Langem. Sie sind darin als Sängerin, Schauspielerin und Stimmperformerin gefordert. Was macht den Reiz einer solchen Arbeit für Sie aus?
Zunächst die Tatsache, dass der Protagonist im Original-Monolog ein Mann ist. Dann die Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten, ihre Gegensätzlichkeit. Ich...
