Apropos... Extreme

Kaum eine Sängerin der Gegenwart hat in jungen Jahren so viele Uraufführungen realisiert wie die Sopranistin Sarah Maria Sun. Ihre Art, nie gehörte Partien zu gestalten, ist so intensiv und spektakulär wie kompromisslos. Zu bestaunen war dies unlängst wieder am Basler Gare du Nord, in dem Stück «Kolik» von Jannik Giger (Komposition) und Leo Hofmann (Elektronik), einer Adaption des dritten Teils aus Rainald Goetz’ «Krieg»-Trilogie

Frau Sun, Ihr jüngstes Projekt «Kolik» ist eins der extremsten Stücke seit Langem. Sie sind darin als Sängerin, Schauspielerin und Stimmperformerin gefordert. Was macht den Reiz einer solchen Arbeit für Sie aus?
Zunächst die Tatsache, dass der Protagonist im Original-Monolog ein Mann ist. Dann die Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten, ihre Gegensätzlichkeit. Ich habe in dieser Produktion das Gefühl, dass alles, was ich jemals gelernt habe, nützlich war: für die Gestaltung der Sprache, für das Musiktheaterkunstwerk als Ganzes.

Der Text von Goetz ist genial, Jannik Giger, Leo Hofmann und der Regisseur Benjamin von Bebber haben sich so viel Gutes dafür ausgedacht – ein absoluter Glücksfall, dass ich da mitmachen konnte.

Muss gutes Musiktheater extrem sein?
«Extrem» ist kein Maßstab für Qualität. Ich persönlich finde ein Musiktheater gelungen, wenn die Musik sich in dem jeweiligen Werk nicht hermetisch mit sich selbst beschäftigt, sondern den Text «verdaut», ihn inhaltlich, formal, strukturell nutzt – ohne hinter ihm zu verschwinden oder ihn zu überkleistern. Musik, Wort und Szene sind in «Kolik» gleichermaßen präsent und toll getaktet – sie stiften gemeinsam Zusammenhänge, ...

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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Hannah Schmidt