Belcanto mit Fußnoten
Sperrt sich die Belcanto-Oper gegen den szenischen Rigorismus des Regietheaters? In der Salzburger Ära von Gerard Mortier konnte dieser Eindruck entstehen, vielleicht auch wegen der prononcierten italienischen Zuständigkeit Riccardo Mutis. Andererseits war Hans Neuenfels’ «Troubadour» in Nürnberg vor knapp einem halben Jahrhundert so etwas wie ein Erneuerungsfanal der Opern-Optik, ausdrücklich vorgeführt an einem vermeintlich wirren Singstück. Die Lehre hieraus: Es gibt eine dramatisch-musikalische «Vernunft», die nicht eins ist mit kausallogischer Handlungsführung.
Die kann tendenziell außer Kraft gesetzt werden, etwa durch die Komplexität von Personen, die ein Vielfaches von dem verkörpern, was sie in Libretto-Worten auszudrücken vermögen.
Die Affinität moderner Szeniker zu ins Absurde gesteigerten psychologischen Konstellationen und Traumrealitäten knüpft gerne an Werke à la «Trovatore» an, da ist auch Vincenzo Bellinis letzte Oper «I Puritani» nicht weit. 1835 in Paris uraufgeführt, nimmt sie Religionspolitik – den Streit zwischen Puritanern und katholischen Royalisten – sehr viel unbedenklicher als Hintergrund eines Liebes- und Eifersuchtsdramas, als das etwas später bei ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Hans-Klaus Jungheinrich
Draußen, vor der Tür, die Kälte. Eisige Winde, Regenfäden, grauschwerer Himmel. Drinnen, im Ballettprobensaal, das Gleiche, nur in anderen Farben, Formen, Figuren. Eine Stiefmutter, deren Seele so schwarz ist wie ihr Kleid, zwei Stiefschwestern in blaustrümpfiger Blödheit, mit geflochtenen Zöpfen auf dem Kopf und Gemeinheiten im Gehirn. In ihrer Mitte die...
Für einmal nicht «Hänsel und Gretel», sondern «Aschenputtel». Doch nicht von Rossini (und auch nicht von Massenet), sondern aus der Feder einer der bedeutendsten Sängerinnen der Operngeschichte. Pauline Viardot, die erste Fidès in Meyerbeers «Le prophète», die seit 1841 regelmäßig als «Cenerentola» in Rossinis Oper brilliert hatte, ließ 1904 eine einaktige Operette...
Vor einigen Jahren erwies Joyce DiDonato mit ihrem Album «Stella di Napoli» der Stadt am Vesuv und einigen der dort wirkenden Komponisten des 19. Jahrhunderts ihre Reverenz. Neapel war aber schon im vorangegangenen Jahrhundert zu einer der bedeutendsten Musikstädte Europas geworden und hatte eine Fülle großer Musiker hervorgebracht. Dem «Napoli galante» ist das...
