Belcanto mit Fußnoten

Bellini: I Puritani
Frankfurt | Oper

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Sperrt sich die Belcanto-Oper gegen den szenischen Rigorismus des Regietheaters?  In der Salzburger Ära von Gerard Mortier konnte dieser Eindruck entstehen, vielleicht auch wegen der prononcierten italienischen Zuständigkeit Riccardo Mutis. Andererseits war Hans Neuenfels’ «Troubadour» in Nürnberg vor knapp einem halben Jahrhundert so etwas wie ein Erneuerungsfanal der Opern-Optik, ausdrücklich vorgeführt an einem vermeintlich wirren Singstück. Die Lehre hieraus: Es gibt eine dramatisch-musikalische «Vernunft», die nicht eins ist mit kausallogischer Handlungsführung.

Die kann tendenziell außer Kraft gesetzt werden, etwa durch die Komplexität von Personen, die ein Vielfaches von dem verkörpern, was sie in Libretto-Worten auszudrücken vermögen.

Die Affinität moderner Szeniker zu ins Absurde gesteigerten psychologischen Konstellationen und Traumrealitäten knüpft gerne an Werke à la «Trovatore» an, da ist auch Vincenzo Bellinis letzte Oper «I Puritani» nicht weit. 1835 in Paris uraufgeführt, nimmt sie Religionspolitik – den Streit zwischen Puritanern und katholischen Royalisten – sehr viel unbedenklicher als Hintergrund eines Liebes- und Eifersuchtsdramas, als das etwas später bei ...

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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Hans-Klaus Jungheinrich

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Muster ohne Wert

Nebel in dichten Schwaden. Von den Seitenbühnen, im Zuschauerraum. Im roten, grünen und blauen Gegenlicht wird das wabernde Trockeneis zu einem unergründlichen Ozean, in dem sich die Umrisse von drei Gestalten abzeichnen: Es könnte der Beginn einer «Rheingold»-Inszenierung sein. War es im Grunde auch. Ganz ähnlich hatte es 1988 im Bayreuther Festspielhaus begonnen....

Musikalisch wertvoll

Es könnte alles anders kommen. Wenn sich im Prolog von Brittens «Peter Grimes» die Stimmen des Titelhelden und der Lehrerin Ellen vereinen, öffnet die Schönheit der Unisono-Melodie eine Ahnung von Frieden und Gemeinschaft, vielleicht sogar von Liebe. Engelsgleich rein klingt Ivana Ruskos Sopran, die Tenorstimme Marco Jentzschs schmiegt sich mit sicherer Höhe an....

Nach innen glühend

Schon das erste Bild macht frösteln: In tiefster Schwärze liegt die riesige Bühne der Bastille-Oper zu Beginn von «Simon Boccanegra». Weißes Licht aus diffusen Quellen vereist den Blick, den ein gigantischer Schiffsrumpf bannt, der sich immer mächtiger auf die Drehbühne schiebt. Ein Kriegsschiff wohl, anscheinend noch im Bau, die metallene Außenhaut ist noch nicht...