Viel los im Damenstift
Die Wissenschaft tappt im Dunkel. Wobei es sich hier nicht etwa um Phänomene der Quantenphysik handelt, sondern um Musikologie und konkret um eine Oper des Barock, um «L’Ercole amante» von Antonia Bembo (geboren um 1640 in Venedig, gestorben etwa 1720 in Paris). Das Stück beschreibt eine Episode aus dem Leben des Herkules und war Louis XIV., dem gottgleichen König, gewidmet. Aufgeführt wurde das Werk damals freilich nicht – warum, weiß man nicht.
Ebensowenig, wieso überhaupt die zu dieser Zeit bereits 67-jährige Komponistin, die sonst eher kleinere musikalische Preziosen schuf, sich überhaupt die Mühe antat, eine mehrstündige Oper zu schreiben. Langeweile bei ihrem Dasein im Damenstift kann es bestimmt nicht gewesen sein.
Bembo war aus Italien nach Paris gekommen, geflohen vor ihrem unerfreulichen Ehemann. Lorenzo Bembo, ein venezianischer Adeliger, war das, was man einen üblen Macho nennt; zudem hatte er es auf das Geld der wohlhabenden Familie seiner Frau abgesehen. In Paris wurde Antonia indes die künstlerische Gunst des Sonnenkönigs zuteil. Ludwig XIV. war von ihr als Sängerin fasziniert, vermittelte ihr eine Wohnung in einem Damenstift und gewährte ihr eine lebenslange Apanag ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Medien, Seite 62
von Gerhard Persché
Ist es ein Museum der Erinnerung, ein Museum der Träume? Kalkweiße griechische Statuen, Odysseus-Bildnisse beherbergt der karge Saal, vielleicht ein Depot, jedenfalls ziemlich schmucklos. Rückwärts steht ein Mann in einer Tür, grau der Bart wie der schlabbrige Anzug, schaut zurück in die Ferne, er scheint einiges erlebt zu haben. Nun tritt er ein, langsam, wie in...
Das Schöne an sorgfältig geführten Archiven ist, dass man noch Jahrzehnte nach einer Aufführung seine Erinnerung auffrischen kann – und weil die Wiener Staatsoper über ein solches Archiv verfügt, ist es ein Leichtes, noch einmal jenen Septemberabend des Jahres 1998 heraufzubeschwören, als sich im Haus am Ring der Vorhang zu Georges Bizets «Carmen» hob, in einer...
arte
01.09. – 00.15 Uhr
Jeanine Tesori: Grounded
Mit «Grounded» bringt die New Yorker Metropolitan Opera aktuelle Konflikte aus weiblicher Sicht auf die Bühne. Zwischen moralischer Kriegsreflexion und zerrissener Soldatenseele bewegt sich die Story um die Kampfpilotin Jess, die sich mit den unvereinbaren Welten zwischen Militär und Mutterrolle konfrontiert sieht....
