Viel los im Damenstift
Die Wissenschaft tappt im Dunkel. Wobei es sich hier nicht etwa um Phänomene der Quantenphysik handelt, sondern um Musikologie und konkret um eine Oper des Barock, um «L’Ercole amante» von Antonia Bembo (geboren um 1640 in Venedig, gestorben etwa 1720 in Paris). Das Stück beschreibt eine Episode aus dem Leben des Herkules und war Louis XIV., dem gottgleichen König, gewidmet. Aufgeführt wurde das Werk damals freilich nicht – warum, weiß man nicht.
Ebensowenig, wieso überhaupt die zu dieser Zeit bereits 67-jährige Komponistin, die sonst eher kleinere musikalische Preziosen schuf, sich überhaupt die Mühe antat, eine mehrstündige Oper zu schreiben. Langeweile bei ihrem Dasein im Damenstift kann es bestimmt nicht gewesen sein.
Bembo war aus Italien nach Paris gekommen, geflohen vor ihrem unerfreulichen Ehemann. Lorenzo Bembo, ein venezianischer Adeliger, war das, was man einen üblen Macho nennt; zudem hatte er es auf das Geld der wohlhabenden Familie seiner Frau abgesehen. In Paris wurde Antonia indes die künstlerische Gunst des Sonnenkönigs zuteil. Ludwig XIV. war von ihr als Sängerin fasziniert, vermittelte ihr eine Wohnung in einem Damenstift und gewährte ihr eine lebenslange Apanag ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Medien, Seite 62
von Gerhard Persché
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