Gegen die Schatten der Vergangenheit
Wer sich mit Wagner auskennt, fürchtet sich nicht vor riesigen, ja, größenwahnsinnigen Projekten und weiß zudem, was die künstlerische Vision eines Einzelnen bewegen kann. Es war 2009, als der polnische Bassbariton Tomasz Konieczny bei einer konzertanten «Rheingold»- Aufführung in der Rolle des Alberich erstmals Aura und Akustik der damals szenisch noch brachliegenden Waldoper von Sopot erlebte. Der amtierende Bayreuther Wotan war sofort fasziniert von diesem Ort in der Nähe Danzigs, seitdem dachte er über eine Wiederbelebung nach.
Vor zwei Jahren war es dann soweit: Das «Baltic Opera Festivals» ging an den Start, mit einem dichtgewebten, viertägigen Programm – unter der künstlerischen Leitung Koniecznys, der sich auch um die Finanzierung und die Besetzungen kümmert. Die szenische Reaktivierung der Waldoper gelang 2023 mit Wagners «Fliegendem Holländer». Eine mutige Wahl, denn das Festival hat eine bemerkenswerte Vorgeschichte: Der Gründer der ursprünglichen Festspiele war hauptberuflich Konzertmeister im Danziger Orchester und pflegte mit seiner Geige in den Wäldern rund um Sopot zu wandern. Eine heutzutage kuriose Vorstellung. Jedenfalls fand er in der Natur ganz zufällig eine ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 36
von Regine Müller
Sie haben wahrhaftig einen Leuchtturm oben auf die Klippe gesetzt. Und daneben hat die Bühnenbildnerin Momme Hinrichs eine ganze Reihe von Fischerhäuschen gebaut, ein Kirchlein auch, augenzwinkernd ein wenig perspektivenverschoben. Hier könnte man ein Küstendrama wie «Peter Grimes» spielen, aber natürlich auch Wagners «Fliegenden Holländer», und die monumentale...
Der 28. September 1675 war ein großer Tag – zumindest für Karl XI. Im Dom zu Uppsala wurde der seit 1660 unter der Vormundschaft seiner Mutter Hedwig Eleonora von Schleswig-Holstein-Gottorf sowie fünf hochrangiger Staatsbeamter regierende Thronfolger endlich zum König von Schweden gekrönt. Und wie es rückblickend den Anschein hat, war er nicht nur ein weiser...
Würde man ein Bild finden müssen, das seine Musik einigermaßen präzise zu beschreiben vermag, so wäre es das eines Komponisten, der zwischen den Stühlen steht, sprich: zwischen zwei ästhetischen Narrativen. Verwundern darf dies nicht angesichts der Tatsache, dass Arthur Honegger als Kind von Schweizer Eltern geboren wurde, allerdings in der rauen normannischen...
