Gegen die Schatten der Vergangenheit

Das Baltic Opera Festival verknüpft polnische und deutsche «Traditionen» – in diesem Jahr mit szenischen Produktionen von Strauss’ «Salome», Pendereckis «Lukas-Passion» und der Uraufführung von Alek Nowaks Stück «Die Stimme des Monsters»

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Wer sich mit Wagner auskennt, fürchtet sich nicht vor riesigen, ja, größenwahnsinnigen Projekten und weiß zudem, was die künstlerische Vision eines Einzelnen bewegen kann. Es war 2009, als der polnische Bassbariton Tomasz Konieczny bei einer konzertanten «Rheingold»- Aufführung in der Rolle des Alberich erstmals Aura und Akustik der damals szenisch noch brachliegenden Waldoper von Sopot erlebte. Der amtierende Bayreuther Wotan war sofort fasziniert von diesem Ort in der Nähe Danzigs, seitdem dachte er über eine Wiederbelebung nach.

Vor zwei Jahren war es dann soweit: Das «Baltic Opera Festivals» ging an den Start, mit einem dichtgewebten, viertägigen Programm – unter der künstlerischen Leitung Koniecznys, der sich auch um die Finanzierung und die Besetzungen kümmert. Die szenische Reaktivierung der Waldoper gelang 2023 mit Wagners «Fliegendem Holländer». Eine mutige Wahl, denn das Festival hat eine bemerkenswerte Vorgeschichte: Der Gründer der ursprünglichen Festspiele war hauptberuflich Konzertmeister im Danziger Orchester und pflegte mit seiner Geige in den Wäldern rund um Sopot zu wandern. Eine heutzutage kuriose Vorstellung. Jedenfalls fand er in der Natur ganz zufällig eine ...

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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 36
von Regine Müller

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