Lehrstück über das Künstlertum
Der «Tannhäuser» als «Problemfall» des Regietheaters? Im vorletzten Heft (OW 3/2007) war davon ausführlich die Rede. Dass es auch anders geht, zeigte jetzt die gelungene Inszenierung des Werks von Uwe Schwarz in Kiel. Dabei hat der Regisseur eigentlich nichts weiter getan, als das Stück ernst zu nehmen, seine Spannungslinien zu verdeutlichen, seine Kontraste zu akzentuieren.
Wagners romantische Oper als ein in Jetztzeitnähe angesiedeltes Lehrstück über das Spannungsverhältnis zwischen Künstler und Gesellschaft – wobei (und das dürfte die wichtigste Erkenntnis dieser Regiearbeit sein) keine der beiden Seiten an den Pranger gestellt wird.
Schwarz und sein Bühnenbildner Norbert Ziermann finden starke, klare, eindringliche Bilder, die häufig Chiffrencharakter haben wie die zunächst dunkel, am Schluss dann – als Erlöste – weiß gekleidete Gruppe der Pilger. Die Auseinandersetzung zwischen Venus und Tannhäuser spielt sich einzig zwischen den beiden ab, was eine starke, auf Ibsen oder Strindberg vorausweisende Psychologisierung dieser emotional aufgeladenen Begegnung in den Blick rückt. Der Sängerkrieg, in dessen Verlauf die Wettstreitenden zitatartig wirkende historische Kostüme (Entwurf: ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Trabuco sitzt vorn und schält Möhren für seinen Esel. Hinter ihm läuft das Volk auf und ab, hat Schutz gesucht vor dem Regen. Es ist eine böse Zeit. Krieg im Land.
Dietrich Hilsdorf hat erneut eine Verdi-Oper fürs Essener Aalto-Theater inszeniert. «La forza del destino» bildet die siebte von insgesamt elf Produktionen. Doch Hilsdorf spielt, seit einiger Zeit schon,...
Abgesprochen hatten sich die Opernhäuser zwischen Hannover, Frankfurt, Erfurt, Amsterdam und Kiel nicht, innerhalb weniger Wochen Wagners «Tannhäuser» auf die Bühne zu bringen. Doch es gibt einen Anlass, der beflügelnd gewirkt haben könnte. Der achthundertste Geburtstag der Heiligen Elisabeth, die im Jahre 1211 an den thüringischen Hof kam, dort mit Landgraf Ludwig...
«Ein Werk ohne Damen», sagt die Dame. Doch bei «Billy Budd», der Männeroper, drehte sich alles um eine Frau. Und um die Frage: Stehen die Hamburger nach dem Reinfall der «Frau ohne Schatten» zu ihrer Pult-Primadonna Simone Young – oder nicht?!
Nun, sie blieben sitzen. Am Ende sogar milder Wind wiedererwachender Zuneigung. Wie viel dunkle Farben, Wärme und Weite...
