Lehrstück über das Künstlertum
Der «Tannhäuser» als «Problemfall» des Regietheaters? Im vorletzten Heft (OW 3/2007) war davon ausführlich die Rede. Dass es auch anders geht, zeigte jetzt die gelungene Inszenierung des Werks von Uwe Schwarz in Kiel. Dabei hat der Regisseur eigentlich nichts weiter getan, als das Stück ernst zu nehmen, seine Spannungslinien zu verdeutlichen, seine Kontraste zu akzentuieren.
Wagners romantische Oper als ein in Jetztzeitnähe angesiedeltes Lehrstück über das Spannungsverhältnis zwischen Künstler und Gesellschaft – wobei (und das dürfte die wichtigste Erkenntnis dieser Regiearbeit sein) keine der beiden Seiten an den Pranger gestellt wird.
Schwarz und sein Bühnenbildner Norbert Ziermann finden starke, klare, eindringliche Bilder, die häufig Chiffrencharakter haben wie die zunächst dunkel, am Schluss dann – als Erlöste – weiß gekleidete Gruppe der Pilger. Die Auseinandersetzung zwischen Venus und Tannhäuser spielt sich einzig zwischen den beiden ab, was eine starke, auf Ibsen oder Strindberg vorausweisende Psychologisierung dieser emotional aufgeladenen Begegnung in den Blick rückt. Der Sängerkrieg, in dessen Verlauf die Wettstreitenden zitatartig wirkende historische Kostüme (Entwurf: ...
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Quizfrage: Was verbindet die Staatsoper in Hannover mit dem Braunschweiger Staatstheater – außer der Bundesbahn oder der A2? Antwort: Die beiden Häuser werden wohl als Pioniere eines neuartigen Online-Service in die Geschichte eingehen, der es ihren virtuellen wie realen Besuchern erstmals erlaubt, sich anhand kurzer Videofilme über aktuelle Produktionen zu...
Der Vorwurf, dass man in eine Dichtung etwas «hineingelegt» hätte, sei ihr stärkstes Lob, ätzte Karl Kraus. Denn nur in Dramen, deren Boden knapp unter ihrem Deckel liege, ließe sich beim besten Willen nichts hineinlegen. Er schrieb dies freilich nicht über Händels «Giulio Cesare in Egitto», sondern 1906 zu Wedekinds Lulu-Stücken. Damals war Händel ja auch kein...
Zurück vom Ring!», heißt es im «Ring». Doch die Mode, in beschaulichen Kleinstädten Riesenopern zu präsentieren, ist aus der Gegenwart kaum mehr wegzudenken. Seit Christine Mielitz 2001 ihren Meininger Vier-Tage-«Ring» für den ultimativen Presserummel nutzte, vermelden zahlreiche Stadttheater Heißhunger auf die Tetralogie. Nach Münster, Weimar, Karlsruhe,...
