Rückkehr und Himmelfahrt
«Ein Werk ohne Damen», sagt die Dame. Doch bei «Billy Budd», der Männeroper, drehte sich alles um eine Frau. Und um die Frage: Stehen die Hamburger nach dem Reinfall der «Frau ohne Schatten» zu ihrer Pult-Primadonna Simone Young – oder nicht?!
Nun, sie blieben sitzen. Am Ende sogar milder Wind wiedererwachender Zuneigung. Wie viel dunkle Farben, Wärme und Weite Simone Young ins Orchester gezaubert hat, ist erstaunlich. Auch verbindet sie lyrische Fäden immer wieder zu symphonisch raumgreifenden Bögen.
Die motivische Feinarbeit als Mischung aus solistischer Spontaneität und Entschiedenheit aber fehlt. Brittens spröde Tonalität bräuchte mehr Zug, mehr Klangdramaturgie, um auf Dauer überzeugen zu können. So stellt sich am Ende eine gewisse Fadheit ein.
Ist nicht «Billy Budd» etwa so sensationell wie eine Piratenpistole? Von den Seemännern bewundert, vom bösen Schiffsprofos gehasst, zeigt «Beau Billy» das Gute in seiner Chancenlosigkeit. Die latente Homosexualität der Melville-Adaption (von E. M. Forster und Eric John Crozier) rückt das Stück in die Nähe zur Trivialität. Auch wenn die schwulen Untertöne in der Inszenierung von Simon Phillips wohltuend gemildert sind.
Durchs hängende ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Abgesprochen hatten sich die Opernhäuser zwischen Hannover, Frankfurt, Erfurt, Amsterdam und Kiel nicht, innerhalb weniger Wochen Wagners «Tannhäuser» auf die Bühne zu bringen. Doch es gibt einen Anlass, der beflügelnd gewirkt haben könnte. Der achthundertste Geburtstag der Heiligen Elisabeth, die im Jahre 1211 an den thüringischen Hof kam, dort mit Landgraf Ludwig...
Alles ist offen. In der Kleinbürgermietskaserne samt tristem Innenhof fehlen die Wände. Jeder kann jeden sehen. Nur eine hat einen Vorhang, die Kabanicha, unangefochtene Herrscherin über den Block. Eine Domina im doppelten Sinne: Blockwart und sexuelle Herrscherin über Kaufmann Dikoj (Stephen Owen), dem sie mit der Peitsche zu Leibe rückt. Damit die anderen nicht...
Es gibt zwei Möglichkeiten, sich von dem prächtigen und skurrilen Opernvogel in Valencia ein Bild zu machen. Eine Möglichkeit ist Ebene Minus Zwei. Das ist die Ebene des ehemaligen Flussbettes, in das Santiago Calatravas «Palau de les Arts» eingepasst ist. Sie liegt unterhalb des Straßenniveaus und wird von künstlichen Seen bestimmt, die die Bauten der...
