Legende sucht Wohnung
Gleich im lichtdurchfluteten Foyer des SWR Studios Freiburg trifft man auf eine Vitrine mit einem Ringmodulator von 1974. Im vierten Stock, wo das international renommierte Experimentalstudio angesiedelt ist, warten Karlheinz Stockhausen, Pierre Boulez und Luigi Nono auf den Besucher. Von den Fotowänden blicken sie herab. Nono, der italienische Komponist, entwarf – damals noch am Standort Freiburg-Günterstal – mit den Klangtüftlern vom SWR Experimentalstudio sein gesamtes Spätwerk.
Hier wurden elektronische Klänge entwickelt und verfeinert, die die Neue Musik weltweit prägten, erzeugt etwa vom Ringmodulator, der unter anderem die speziellen Frequenzmodulationen für Stockhausens «Mantra» lieferte. Das von den Klangpionieren Peter Lawo und Hans-Peter Haller, dem ersten Leiter des 1971 gegründeten «Experimentalstudio der Heinrich-Strobel-Stiftung des Südwestfunks», erfundene «Halaphon» konnte Klänge durch den Raum schicken. Bis heute hat das Freiburger Klanglabor nichts von seiner Innovationskraft verloren. Seit 2022 leitet Joachim Haas als Nachfolger von Detlef Heusinger das Experimentalstudio mit seinem derzeit 10-köpfigen Team. Der Klangregisseur und Musikinformatiker schwärmt von ...
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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Georg Rudiger
Kafkas Roman «Der Prozess» beginnt mit dem legendären Satz «Jemand musste Josef K. verleumdet haben». Längst zählt diese lapidare Mitteilung zu den ikonischen Romananfängen der Weltliteratur, kündigt sich doch darin ein Lebensgefühl an, das man heute etwas inflationär als «kafkaesk» bezeichnet. Josef K. wird also eines Morgens ohne Angabe von Gründen verhaftet wird...
Es ist ein weiter Weg vom Westen der Republik bis nach Görlitz. Los geht es am frühen Morgen, vier Umstiege sind nötig mit der Deutschen Bahn, die Strecke führt über Frankfurt am Main und Leipzig nach Dresden-Neustadt. Den letzten Teil der Reise überwindet eine überfüllte Regionalbahn, sie braucht weitere 90 Minuten bis nach Görlitz, der östlichsten Stadt...
Rien ne va plus? Au weia!» Mit diesem Geflachse, als hätten sie’s geahnt, beginnt das Editorial der Stuttgarter «Oper im Winter» zur Aufführung von Ralph Benatzkys «Casanova» auf Musik von Johann Strauss. Einen solchen künstlerischen GAU hat das Haus seit 2006 nicht mehr erlebt. Damals kam Klaus Zehelein bei seiner allerletzten Premiere der Regisseur abhanden,...
