La comédie humaine
Mit dem Thema «Balzac und das Lied» wäre nichts zu holen, meint Romain Benini im Booklet des Albums «Chansons Balzaciennes», vergisst jedoch, dass Musik im Œuvre des großen französischen Epikers durchaus von Bedeutung ist. Allerdings ließe sich damit eine Schneise in den kulturellen Untergrund der Gesellschaft schlagen, die der Dichter in seiner «Comédie humaine» schildert. Dabei kann sich Benini auf Arnaud Marzorati verlassen, der in diesem glänzend ausgewählten Programm einmal mehr seinen Spürsinn für die populäre Musik des 19.
Jahrhunderts beweist – mit Liedern, die Balzac erwähnt oder die er zumindest gekannt haben dürfte. Die Vielfalt der Stimmen reicht vom schrägen Liebeslied bis zum misslungenen Teufelspakt, vom gesungenen Hut-Katalog bis zur Gauner-Ballade – mal moralisch, mal politisch, aber stets unterhaltend, voller Witz und Ironie.
Die Namen der Komponisten sind, mit Ausnahme Aubers, Schall und Rauch, doch der schnöde Tonfall der Couplets erinnert immer wieder an Offenbachs Operetten. Von den Textdichtern allerdings darf man sich Pierre Dupont merken, dessen «populäre Muse» immerhin Baudelaire rühmte – nicht zuletzt den Jean-Pierre de Bérangers, des ...
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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Medien, Seite 24
von Uwe Schweikert
Camille Erlanger gehört zu den zahllosen Komponisten, deren Werk in toto der Furie des Vergessens anheimfiel. Die neun Opern des Parisers elsässisch-jüdischer Herkunft sind in ihrem Schwanken zwischen Naturalismus und Symbolismus, Wagner-Nachfolge und Impressionismus typisch für das französische Fin de Siècle. Nachdem Guillaume Tourniaire 2023 beim Wexford-Festival...
Ein von dem Dirigenten Jérôme Correas so kundig konzipiertes wie musiziertes Programm mit vier Solo-Kammerkantaten von Alessandro Scarlatti, Händel, Marcello und Michel Pignolet de Montéclair lenkt den Blick auf die intime Spielart barocker Leidenschaften jenseits der rationalen Kontrolle am Ausgang des 17. Jahrhunderts. Im Zentrum steht jedesmal das Trauma der...
Der wichtigste Protagonist bleibt ungesehen. Weder im Klappentext noch im Hauptteil des Bildbandes «Through the Looking Glass», der Arbeiten des Münchner Theaterphotographen Wilfried Hösl aus 39 Jahren dokumentiert, ist sein Porträt zu sehen. So bleibt der Mann hinter der Kamera ohne Gesicht, dessen Bilder zwei Generationen von Theater-, Ballett- und Operngängern...
