In himmlischen Gefilden
Der Autor blieb anonym. Das aber hinderte Johann Sebastian Bach keineswegs, dessen Verse über einen Sünder, der durch Jesu Trost Fürsprache und Frieden bei Gott findet, für seine Kantate «Allein zu dir, Herr Jesu Christ» zu verwenden, die anno domini 1724, genauer: am 13. Sonntag nach Trinitatis, in der Leipziger Thomaskirche aufgeführt wurde.
Vor allem das dritte Stück, die C-Dur-Arie «Wie furchtsam wankten meine Schritte», zählt zu jenen Kleinoden, in der die Verbindung fromm-ehrfürchtigen Glaubens mit einer nachgerade göttlichen Musik deutlich spür- und hörbar zum Tragen kommt. Und welch ein gelungener Schachzug, die ersten Violinen zu dämpfen, wenn zu deren vorsichtigem Pulsieren in hingetupften Achteln mild-leise, dezent die Stimme anhebt und die Sündenlasten von ihm abfallen, weil der Herr verzeiht.
Zoltan Darago und das von Christophe Rousset gewohnt stilsicher geleitete Ensemble Les Talens Lyriques bilden nicht nur in diesem Stück für fast zehn musikalisch erfüllte Minuten eine verschworene Gemeinschaft. Zum engelhaften Gesang des Altisten, der immer wieder zum Wort «Jesus» melismatisch in höhere Gefilde hinaufsteigt, ohne aber irgendein Anzeichen von Anspannung oder ...
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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Medien, Seite 26
von Jan Verheyen
Die einen glauben, Gustav Mahler sei der Autor der berühmten Zeilen: «Wenn die Welt einmal untergehen sollte, ziehe ich nach Wien, denn dort passiert alles 50 Jahre später.» Andere Quellen vermuten Karl Kraus hinter dem Bonmot, das vielleicht noch immer stimmt, vielleicht aber auch längst überholt ist. Denn wie ist es zu erklären, dass allen (Welt-)Krisen und...
Gelacht?» «Kein bisschen.» Die Antwort ist einigermaßen desaströs für einen Spaßmacher, dabei hatte sich Truffaldino, der Narr, doch so ins Zeug gelegt, um den kranken Prinzen zum Lachen zu bringen. Als aufgebrezelte Krankenschwester war er auf die Bühne gesprungen, mit Polsterhintern und bald sichtbar werdendem Riesen-BH, und hatte sich selbst eine Spritze in den...
Rien ne va plus? Au weia!» Mit diesem Geflachse, als hätten sie’s geahnt, beginnt das Editorial der Stuttgarter «Oper im Winter» zur Aufführung von Ralph Benatzkys «Casanova» auf Musik von Johann Strauss. Einen solchen künstlerischen GAU hat das Haus seit 2006 nicht mehr erlebt. Damals kam Klaus Zehelein bei seiner allerletzten Premiere der Regisseur abhanden,...
