Lauter Liebesdiskurse
Es mag seltsam anmuten, doch gerade in seinem Sehnsuchtsland, dort, wo die Zitronen blühen, fand sich – mit Ausnahme Ferruccio Busonis, der aber eine heftige Neigung zu Deutschland empfand – kein bedeutender italienischer Komponist des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, der Goethes Schauspiele, Dramen oder Gedichte in Töne setzen wollte.
Sie alle, sei es Bellini oder Donizetti, Verdi oder Puccini, Giordano, Leoncavallo oder Mascagni, hielten wohlweislich Abstand zum Geheimrat; keiner mochte sich mit dessen «schweren» Stoffen, mit «Faust», «Werther», «Wilhelm Meister» und «Hermann und Dorothea», eingehender beschäftigen; zu wenig theatral waren ihnen die Sujets. Oder irgendwie suspekt. Oder beides zusammen.
Wie anders klang dagegen das Echo in Frankreich. Und das verdankte sich in erster Linie einer Frau, die als schillernde Gestalt in die Kulturgeschichte Eingang gefunden und zudem eines der besten Bücher über Deutschland geschrieben hat: Schon in ihrem Opus «De la littérature» von 1800 erforschte Madame de Staël die Wortschöpfungen jenes Mannes, den man auf französischer Seite späterhin als «colosse allemand» bezeichnete, und auch in ihrer brillanten Schrift «De l’Allemagne» ...
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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Medien, Seite 29
von Jan Verheyen
Alexander Puschkin ist gerade mal 31 Lenze alt, da schreibt er ein Gedicht, das in seiner gedankenschweren Melancholie klingt wie der Abschiedsgruß eines Lebensmüden. «Der irren Jahre längst vergangene Lust / Liegt lastend wie ein Rausch auf meiner Brust. / Doch wird, wie Wein, der Schmerz, den ich erfahren, / Nur stärker noch und schwerer mit den Jahren. / Mein...
Mit dem Thema «Balzac und das Lied» wäre nichts zu holen, meint Romain Benini im Booklet des Albums «Chansons Balzaciennes», vergisst jedoch, dass Musik im Œuvre des großen französischen Epikers durchaus von Bedeutung ist. Allerdings ließe sich damit eine Schneise in den kulturellen Untergrund der Gesellschaft schlagen, die der Dichter in seiner «Comédie humaine»...
Naturgemäß sah man bei einigen während der Aufführung und in der Pause Naserümpfen. Klar, Jan Philipp Glogers Neuinszenierung des operettigen Kultstücks ist eigenwillig, wobei er es bei ein paar Spitzen gegen das Genre belässt und vor allem das Problem «Übertourismus» im Blick hat. Da wird einem dann auch mal eine treffende Passage von Hans Magnus Enzensberger um...
