Lahme Lust
Bernhard Lang ist nicht der Erste, der Arthur Schnitzlers «Reigen» auf die Opernbühne bringt. Aber seine Ästhetik der transformativen Wiederholung, mit dieser Überzeugung durfte man zur Uraufführung des Stücks bei den Schwetzinger Festspielen reisen, schien die idealen Voraussetzungen zu bieten, Schnitzlers Variationsdramaturgie des Immergleichen – zehn Figuren, zehn Dialoge, zehn Partnerwechsel – adäquat ins Musiktheatralische zu transponieren.
Doch Lang und sein librettistischer Mitarbeiter Michael Sturminger haben den Liebesreigen, der bei seiner Uraufführung den größten Theaterskandal des 20. Jahrhunderts auslöste, ganz auf den Warencharakter des Begehrens, die Mechanik des Sexualakts reduziert. Aus «Reigen» wird, mit Anspielung auf den Remix der Pop-Musik, «Re:igen». Die Paare finden in ihrer nur äußerlich modifizierten, in Wirklichkeit immer gleichen Triebhaftigkeit zusammen. Statt Entfremdung, ja Abgründigkeit herrscht repetitive Monotonie, bei der – ganz im Sinne des französischen Philosophen Gilles Deleuze – das Maschinelle das Subjektive zum Schweigen bringt. Wo bei Schnitzler zwischen Verführung und Postludium Gedankenstriche stehen, breitet sich bei Lang ein an- und ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Uwe Schweikert
Unter den großen Komponisten des 20. Jahrhunderts ist Richard Strauss der Umstrittenste, zumindest – seit Adornos brillanter Attacke in seinem Essay aus dem Jahre 1964 – in Deutschland. Von den Neuerscheinungen im Jubiläumsjahr ragen neben dem «Richard Strauss Handbuch», das Walter Werbeck im Metzler-Verlag ediert hat (siehe Seite 29), drei Titel heraus: eine...
Manon Lescaut», uraufgeführt 1893 wenige Tage vor Verdis «Falstaff», zeigt Puccini auf dem Weg zu sich selbst. Ein junger, selbstbewusster und erfolgsgeiler Komponist führt vor, was er kann. Ganz nebenbei vernichtet er – zumindest verbal – die Konkurrenz. Massenets neun Jahre zuvor erstmals gespielte «Manon» sei, so höhnte Puccini, ein Stück aus Puder und Menuett....
Das Urteil über Richard Strauss blieb lange gespalten. Ernst Bloch meinte schon in den Zwanzigerjahren, es sei schwer «über ihn ins Reine zu kommen». Und noch zum 50. Todestag schrieb der Musikwissenschaftler Volker Scherliess, es liege auf der Hand, dass zwischen der Erfolgsverwöhntheit von Strauss und seinem künstlerischen Schaffen eine Beziehung bestehe: «Wer...
