Lahme Lust

Lang: Re:igen Schwetzingen / SWR Festspiele

Bernhard Lang ist nicht der Erste, der Arthur Schnitzlers «Reigen» auf die Opernbühne bringt. Aber seine Ästhetik der transformativen Wiederholung, mit dieser Überzeugung durfte man zur Uraufführung des Stücks bei den Schwetzinger Festspielen reisen, schien die idealen Voraussetzungen zu bieten, Schnitzlers Variationsdramaturgie des Immergleichen – zehn Figuren, zehn Dialoge, zehn Partnerwechsel – adäquat ins Musiktheatralische zu transponieren.

Doch Lang und sein librettistischer Mitarbeiter Michael Sturminger haben den Liebes­reigen, der bei seiner Uraufführung den größten Theaterskandal des 20. Jahrhunderts auslöste, ganz auf den Warencharakter des Begehrens, die Mechanik des Sexualakts reduziert. Aus «Reigen» wird, mit Anspielung auf den Remix der Pop-Musik, «Re:igen». Die Paare finden in ihrer nur äußerlich modifizierten, in Wirklichkeit immer gleichen Triebhaftigkeit zusammen. Statt Entfremdung, ja Abgründigkeit herrscht repetitive Monotonie, bei der – ganz im Sinne des französischen Philosophen Gilles Deleuze – das Maschinelle das Subjektive zum Schweigen bringt. Wo bei Schnitzler zwischen Verführung und Postludium Gedankenstriche stehen, breitet sich bei Lang ein an- und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Gefahr im Verzug

Die Krisenmeldungen aus der nordamerikanischen Opernszene reißen nicht ab. Nachdem im Herbst 2013 die New York City Opera wegen eines massiven Defizits den Betrieb einstellen musste, steuert nun sogar die Metropolitan Opera Company auf womöglich existenzgefährdende Budgetprobleme zu. In einem Interview mit der Deutschen Welle forderte Met-Chef Peter Gelb angesichts...

Der wahre Jakob

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere war Giacomo Meyerbeer der erfolgreichste Opernkomponist weltweit. Heute, 150 Jahre nach seinem Tod, sind seine Werke dem breiten Publikum kaum bekannt. Nicht nur wegen des runden Jubiläums war ein neues Buch über den «Meister der Grand Opéra» seit Langem überfällig. Die beiden Autoren haben gemeinsam mit der wissenschaftlichen...

Kammerspiel

Dresden, die Strauss-Stadt. «Feuersnot», «Elektra», «Salome», «Der Rosenkavalier» – sie alle sind hier uraufgeführt worden. Dirigiert von Ernst von Schuch, Strauss’ Leib- und Seelendirigent. Schuch hatte ein Haus zehn Kilometer abseits der Semperoper, in Radebeul, zwischen Weinbergen und Elbstrom. Gleich neben dem Gasthof Goldene Weintraube. Heute steht hier das...