Lachen ist Trumpf

Prokofjew: Die Liebe zu den drei Orangen HEIDELBERG | THEATER

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Über den Köpfen des Publikums fliegen die Fetzen, man sitzt mitten im Kreuzfeuer verfeindeter ästhetischer Positionen. Regisseur Guillermo Amaya hat die gegnerischen Lager in seiner Heidelberger Inszenierung auf den Treppen des Zuschauerraumes und an der Bühnenrampe postiert. Komische, Tragische, Lyrische und Hohlköpfe liefern sich einen furiosen Schlagabtausch. In Chor und Orchester erhebt sich dazu eine lautstarke, grellbunte Kakophonie.

Prokofjews 1921 uraufgeführte Oper «Die Liebe zu den drei Orangen» ist großes Theater über das Theater: parodistisch, satirisch und fabulös in allen Stilrichtungen wildernd. 

Der Abend spielt auf einer drehbaren Varieté-bühne (Bühnenbild: Ralph Zeger) mit Samtvorhängen und silbernem Flitterbehang. Auf grellen Jahrmarktsplakaten prangen knallrote Münder und skurrile Clowns. Lachen ist Trumpf. Doch hinter den Kulissen leidet ausgerechnet die Hauptfigur an todbringender depressiver Hypochondrie. Während eine Komödiantentruppe sich krampfhaft bemüht, den Prinzen aufzuheitern, sucht der König die Leidensmiene seines Sohnes mit einer Lupe nach einem Anflug von Heiterkeit ab. Vergeblich: kein klitzekleines Kräuseln der Lippen, nicht einmal ein Zucken ...

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Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Silvia Adler

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