Laboratorium für die Künste
Damals, in den studentenbewegten, morgenroten siebziger Jahren, ahnte wohl niemand, dass das schöne Italien, Sehnsuchts- und touristischer Wallfahrtsort unzähliger Nordlichter, eines Tages von Leuten regiert würde, die für die sogenannte «Hochkultur» nur Verachtung übrig haben. Statt, wie heute Berlusconi, die Theater, Orchester und Museen des Landes (nicht nur die großen!) durch eine aggressive Kürzungspolitik in den Ruin zu treiben, herrschte seinerzeit Aufbruchstimmung. Besonders in der Provinz.
Denn es waren vor allem die entlegenen, vernachlässigten Regionen zwischen dem Trentino und Sizilien, die vom politischen Klimawandel in Italien profitierten. Bei den Parlamentswahlen 1976 hatten die Eurokommunisten unter Enrico Berlinguer mehr als ein Drittel der Stimmen gewonnen. Selbst die in Rom etablierte Democrazia Cristiana kam an der neuen Kraft nicht länger vorbei. Und musste mit ansehen, wie Künstler, Intellektuelle und selbst Staatsdiener plötzlich «Kultur für alle» forderten. Es war die Zeit, als Luigi Nono von der ästhetischen Erziehung der Arbeiterklasse träumte, als Claudio Abbado und Maurizio Pollini in Fabrikhallen konzertierten – und als der aus der westfälischen ...
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