Frischzellenkur
Herr Hengelbrock, Sie gelten als Nonkonformist. Was stört Sie am Musikbetrieb?
Es ist eine Tendenz unserer Zeit und auch des hemmungslosen Kapitalismus, dass alles komprimiert wird auf die bestmöglichen Verwertungsmöglichkeiten. Wenn ich Musik reduziere auf die rein technischen Parameter – höher, tiefer, lauter leiser –, dann komme ich zwar mit wenig Proben aus, aber es fehlt jede Spiritualität, es fehlt alles, was das Kunstwerk ausmacht.
Trotzdem fällt auf, dass Sie viel dirigieren – Auftritte in Salzburg, Luzern, München, mit Balthasar-Neumann und anderen Ensembles – wie ist das konditionell zu schaffen?
Finden Sie, dass es viel ist? Ich finde eigentlich nicht. Wenn man Musik mit den Musikern macht, wenn die Atmosphäre gut und kollegial ist, wenn man zusammen die Freude teilt, dann gibt das sehr viel Kraft. Die, mit denen ich zusammen arbeite, sind alles Leute, die sich selbst immer wieder im Musikzusammenhang erfahren wollen. Wir kommen da über die Musik, glaube ich, doch zu sehr tiefen Berührungspunkten. Es ist immer wieder ein beglückendes Erfahren der eigenen Grenzen, etwa wenn man beschließt, wie wir es gerade gemacht haben, Bachs h-moll Messe auswendig zu singen und sie dann ...
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