Verführung zum Hinhören
Die bislang zum Jubiläumsjahr erschienene Händel-Literatur war von einem eklatanten Missverhältnis gekennzeichnet: Während eine ganze Schar von Autoren sich mit der mehr oder weniger blumigen Nacherzählung von Händels Leben beschäftigte, fehlte bislang ein Werk, das den akkumulierten Kenntnisstand von Händelforschung und -aufführungspraxis nutzt, um auch einem nicht fachspezifisch vorgebildeten Publikum einen neuen Blick auf die Werke selbst zu eröffnen. Genau das leistet jetzt Silke Leopold. Und sie tut es auf so gescheite, engagierte und unterhaltsame Weise, dass «Händel.
Die Opern» das mit Abstand wichtigste Buch zum Händel-Jahr geworden ist.
Dabei ist dieses Buch trotz einer kompletten Werkliste mit Inhaltsangaben und Aufnahmehinweisen keine Enzyklopädie der Händel-Opern wie das (leider nicht auf Deutsch erhältliche) Standardwerk von Winton Dean. Händels Leben wird auf wenigen Seiten eher skizziert als beschrieben – wer da mehr will, muss zu Christopher Hogwoods Biografie oder zu Dorothea Schröders kürzlich bei Beck erschienenem, knappem Überblick greifen. Die Bedeutung und das Ziel von Silke Leopolds Buch liegen darin, dass die Autorin, wie sie es im Vorwort ausdrückt, «Händel ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Krisenstimmung bei den Berliner Philharmonikern: Da bieten die Musiker und ihr Chefdirigent Simon Rattle im Stammhaus ein «Best of» aus Richard Wagners «Götterdämmerung» an – und eine Woche vor dem Konzert sind erst 80 Prozent der Tickets verkauft! Wo sich andere Orchester entspannt zurücklehnen, beginnen die Philharmoniker zu grübeln. Wie erklärt sich die...
Als die Met 1991 John Coriglianos «The Ghosts of Versailles» herausbrachte, war jedem klar, dass die Oper zu lang ist. Aber wen interessierte das? Corigliano und sein Librettist William M. Hoffmann hatten in dem von ihnen erfundenen Genre der grand opera buffa eine mitreißende Arbeit abgeliefert, in der Mozarts und Rossinis «Figaro»-Personal auf die Gespenster...
Frau Silja, in unserem letzten «Opernwelt»-Gespräch, das 1994 erschien, sagten Sie, es reize Sie auf der Bühne nur noch das «Unmachbare». Was ist das konkret?
Das «Unmachbare» ist nicht erklärbar, ebenso wenig wie die großen Gefühle. Sie trotzdem ohne falsches Pathos umzusetzen, ist für mich das Faszinierende der Oper.
Sie haben sich vor einigen Jahren taufen...
